29. Mai 2025

Hochfest Christi Himmelfahrt

Jahr C

Christus fährt zum Himmel auf, angenommen vom Vater. Die Kirche ruft ihn an und folgt seinen Spuren zum Heil.

VON UNTER SEINEN FÜSSEN

Lösen, um zu binden.

—Teilhard de Chardin

Salvador Dali (1904-1989) war inspiriert von Elena Dmitrievna Djakonowa, besser bekannt als Gala Éluard Dali (ein Pseudonym, das ihr von ihrem ersten Ehemann Paul Éluard gegeben wurde). Dali behauptete, dass sie die Frau war, die ihn vor dem Wahnsinn und einem frühen Tod bewahrte. In Wirklichkeit verbarg sich hinter dem Genie ein sehr zerbrechlicher, unorganisierter und unsicherer Mann, der dennoch seine Tage mit den Worten eröffnete: „Jeden Morgen, wenn ich aufwache, fühle ich eine höchste Freude, die Freude, Salvador Dali zu sein“. Es war Gala, intelligent und scharfsinnig, die als Verbindungsglied zwischen dem katalanischen Maler und der realen Welt fungierte. Doch vor Gala lernte Dali den Dichter Federico García Lorca kennen, mit dem er ebenfalls eine stürmische Liebesbeziehung hatte, bevor er nach Paris floh, wo er nach Geld und Ruhm dürstete. Auf jeden Fall war Lorca einer der ersten, der die surrealistische Sprache Dalis wahrnahm. Der Surrealismus entstand bekanntlich als künstlerische Avantgarde-Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg und stellte sich gegen die Vorherrschaft der Vernunft, indem er den Wert des Unbewussten im künstlerischen Schaffensprozess bekräftigte und traumhafte und irrationale Werke hervorbrachte. Dali malte 1958 eine außergewöhnliche und höchst originelle Himmelfahrt Christi. Um sie zu verstehen, muss man sie zunächst mit einem anderen, bekannteren Werk vergleichen, der Kreuzigung des Heiligen Johannes vom Kreuz (1951). Johannes vom Kreuz (1951). In der Himmelfahrt beginnt die Perspektive unten und steigt nach oben, sodass der Körper von den Füßen aus zu sehen ist (Einfluss von Mantegna). Wahrscheinlich schildert Dali den Moment, in dem Jesus unter den staunenden Blicken der Jünger in den Himmel aufsteigt. Bei der Kreuzigung hingegen ist der Blick von oben nach unten gerichtet. Hier steht Jesus unter dem Blick des Vaters. Das Gesicht Jesu ist jedoch nie zu sehen; es ist auf den Vater (Himmelfahrt) und auf uns (Kreuzigung) gerichtet. Zwei gegensätzliche Blicke also. Vom Vater zur Welt, von der Welt zum Vater. Die Brücke zwischen diesen Polaritäten ist Christus, der Herr. Aber Vorsicht, es ist wichtig, Christus von unten zu betrachten“, sagt Dali, „denn von dort aus können wir den Himmel sehen, den Himmel, dessen lebendiger Weg er ist (vgl. Hebr 10,19-20). Jesus, der zu Gott aufsteigt, behält die Haltung des Kreuzes bei (seine Hände sind übrigens immer noch im Schmerzkrampf ausgestreckt). Dann kreuzt Jesus zwei leuchtende Kugeln, eine gelbe (Sonnenblume oder Atom?) und eine weiße. Oben ein weibliches Gesicht, das von Gala und, einen Moment zuvor, die Taube des Geistes. Was liest man in dieser komplexen Symbolik? Für Dali stellt die leuchtende Weltkugel den Vater dar, der den Sohn bei seiner glorreichen Rückkehr willkommen heißt. Gala ist also nicht nur die geliebte Frau, sondern auch eine Figur der Kirche, die zusammen mit dem Geist ruft: „Komm, Herr Jesus“ (vgl. Offb 22,20). Das Haupt hat zwar die Herrlichkeit erlangt, aber der Leib ist noch im Exil. Er ruft nicht nur: Maranatha, sondern steht auch, wie wir gesagt haben, unter den Füßen seines geliebten Herrn. Warum? Ganz einfach, weil dies die Haltung ist, um den Himmel zu erreichen, wie wir gesagt haben. Aber das ist nicht genug. Es ist auch notwendig, den Spuren des Meisters zu folgen (vgl. 1 Petr 2,21) und das Evangelium mit seinem Leben zu bezeugen, wie es schon Jesaja prophezeit hatte: „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten,der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König“ (vgl. Jes 52,7).

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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