25. August 2024
Einundzwanzigster Sonntag
im Jahreskreis
Jahr B
In den Worten des Petrus finden wir Vertrauen, das der Erkenntnis vorausgeht. Nur derjenige, der vertraut und glaubt, kommt zur Erkenntnis.
ZWISCHEN BINDUNG UND VERRAT
Mit niemand anderem als dir / möchte ich sprechen.
Und hier warte ich auf dich.
Vittorio Sereni
Es mag vielleicht überraschen, aber die lange Rede Jesu in Kafarnaum provoziert zunächst Ablehnung und Abkehr (von der Nachfolge) und dann, durch die Worte des Petrus, Festhalten und Bekenntnis (des Glaubens). Warum lassen die Jünger den Rabbi von Nazareth im Stich? Dafür gibt es mindestens drei Gründe: Der erste Grund sind falsche Erwartungen. Die Jünger hatten Wunder von Jesus gesehen und wollten ihn zusammen mit der Menge zum König machen. Aber Jesus flieht, weil er nicht mit Brot über die Menschen herrschen will. Sein Messianismus ist nicht ökonomisch-politisch, sondern erlösend-spirituell. Der zweite Grund ist geistiger Natur: Jesus spricht, aber die Menge und die Jünger wissen nicht, wie sie zuhören sollen. Sicher, sie haben gehört, was Jesus sagte, aber sie haben es nicht verinnerlicht (vgl. Joh 6,60). Eine solche Verschlossenheit führt zum Unglauben. Der dritte Grund ist schwerwiegender und wir können ihn wie folgt definieren. Der Abschnitt schließt, wie wir festgestellt haben, mit der Figur des Judas, des Jüngers, der den Meister nicht nur verleugnet, sondern verrät. Diese Figur ist beunruhigend, denn während alle, wie wir gesagt haben, Jesus verlassen, bleibt er, der in seinem Herzen bereits den Gedanken gefasst hat, ihn zu verraten, bei den Zwölf. Mit einem Wort: er stellt – scheinbar – eine Bindung zur Schau, aber in seinem Herzen wartet er nur auf günstige Bedingungen, um den Meister an die Juden auszuliefern. Aber es gibt auch eine Anhänglichkeit, die, wie wir uns erinnern, in den Worten des Petrus gut zum Ausdruck kommt: “ Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist “ (Joh 6,68-69). Für Petrus, den Wortführer der Zwölf, bedeutet das Verlassen Jesu, den Weg des Lebens zu verlieren; wenn die Worte des Meisters für die Jünger hart waren (vgl. Joh 6,60), so sind es für die Apostel Worte, die die Fülle des Lebens (das ewige Leben) schenken. Wir bemerken dann ein wichtiges Detail. Petrus sagt: „Wir haben geglaubt und erkannt“. Nicht: zuerst haben wir euch gekannt und dann, nachdem wir euch gekannt haben, haben wir euch geglaubt, wie es naheliegend wäre. Zuerst kommt das Vertrauen und dann die Erkenntnis. Nur wer vertraut und glaubt, kommt zur Erkenntnis. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rede Jesu die einen bestätigt und die anderen entfremdet hat.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster