12. Mai 2024
Himmelfahrt des Herrn
Das Geheimnis der Himmelfahrt erinnert uns daran, dass das Leben eines jeden von uns ein konti-nuierliches und unaufhörliches Voranschreiten zur Quelle ist, die uns durch das Wirken des Geistes erneuert.
LEBEN HEISST, IN GOTT VORANZUSCHREITEN
Auf dem heiligen Blau
Klangliche Schritte des Lichts.
Rainer Maria Rilke
D ie Verben des heutigen Hochfestes haben alle den Sinn von erhöhen angenommen, und sie laden uns ein, nach oben zu schauen, wo Christus zur Rechten Gottes ist. Wenn die Himmelfahrt die Er-füllung des Passahfestes Christi markiert, so leitet sie andererseits die Bewegung der Kirche ein, die berufen ist, auf den Straßen der Welt zu gehen, um die frohe Botschaft vom Reich Gottes zu ver-künden. Das Geheimnis, das wir heute feiern, erinnert uns aber auch daran, dass das Leben eines je-den von uns ein ständiger und unaufhörlicher Weg zur Quelle ist. Manchmal haben wir den Ein-druck, dass der langsame Lauf der Zeit uns auslöscht, dass er die Spuren unseres Weges in dieser Welt auslöscht. Aber das ist nicht so. Der auferstandene Christus ist uns in die ewigen Wohnungen vorausgegangen, um uns die heitere Zuversicht zu geben, dass wir dort, wo er ist, auch sein werden, wie es in der Präfation des Festes heißt. Unser Leben, inmitten von Freuden und Leiden, läuft also auf diese Fülle, auf diese Gemeinschaft des Lebens zu. Natürlich spüren wir die ganze Zerbrech-lichkeit und Unsicherheit unseres Seins und Tuns, manchmal sogar die Vanitas dessen, was uns umgibt, doch der Glaube treibt uns weiter, drängt uns dorthin. Und während wir im Schatten des Geheimnisses wandeln, wird unser innerer Mensch durch das Wirken des Geistes und unser freies Festhalten an seiner Gnade erneuert.
Auf dem Pilgerweg unserer Wochentage,
in unseren Herzen verdichten
das Lied der Stille,
uns in das Geheimnis Gottes eintauchen lassen
– während sich die Sterne am Himmel verdichten –
wenn unser Blick verweilt
und starrt mitten in der Nacht ins Leere.
Und die Schwingung dieser Stille des Lichts
markiert den Rhythmus unserer Atmung
auf den Atem Gottes,
bis zu dem Tag, an dem wir vollständig zu ihm aufsteigen,
ewige Quelle der Liebe.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster