10. März 2014

Vierter Sonntag
in der Fastenzeit

Jahr B

In Jesus, der am Kreuz hängt, hat Gott gesprochen und sich ganz hingegeben.

DIE SCHLANGE

In einer kühnen Übertragung vergleicht Johannes die bronzene Schlange, die Mose in der Wüste errichtete, mit dem gekreuzigten Christus. Es gibt jedoch einen Aspekt zu beachten, der unsere Lektüre bereichert. Die Begriffe „Schlange“ und „Messias“ haben im Hebräischen denselben Zah-lenwert (die Summe ihrer Buchstaben ist 358). Der Messias hat jedoch einen zusätzlichen Buch-staben, das Jod, den ersten des unaussprechlichen Namens Gottes, des Tetragrammatons (JHWH). Was bedeutet das? Dass die Menschheit nur in Jesus, dem am Kreuz auferstandenen Chris-tus/Messias, die höchste Offenbarung Gottes erblicken kann. In dem Mann, der am Kreuz hing, hat Gott also endgültig gesprochen und sich ganz hingegeben. Am Kreuz hat sich Gott in einer noch nie dagewesenen Weise offenbart. Dreimal spricht das vierte Evangelium von der Erhöhung des Menschensohns (vgl. Joh 3,14; 8,28; 12,32). Die Parallele zu den drei Ankündigungen, die wir in den Synoptikern finden, ist offensichtlich. In allen drei Fällen gibt es eine Verheißung. In Joh 3,14 bringt die Auferweckung das ewige Leben; in Joh 8,28 offenbart sie die Offenbarung des Namens („Ich bin“); in Joh 12,32 markiert sie das Hereinziehen von allem in Christus. Das Verb „erheben“ (hypsousthai) hat also eine doppelte Bedeutung. Es kann sowohl als physische Erhöhung als auch als Erhöhung/Verherrlichung verstanden werden. In dieser Hinsicht ist bekannt, wie Johannes die Passion Christi als einen Weg der Herrlichkeit liest. Eine Herrlichkeit, die vom Kreuz ausstrahlt und an der offenen Seite ein leuchtendes Zeichen hat, aus dem unaufhörlich das lebendige Wasser des Heiligen Geistes fließt. Diese vermittelte Herrlichkeit führt die Menschheit in die göttliche Gemeinschaft ein und verwirklicht so die Einheit aller Gläubigen in Gott (vgl. Joh 17,3). Ein letz-ter Aspekt. Am Kreuz scheint die Liebe Jesu besiegt zu sein. In Wirklichkeit ist sie jedoch sieg-reich. Das Zeichen dafür? Seine Auferstehung. Selbst das Genie von Piero della Francesca ahnt dies in der Auferstehung (1463) in Borgo Sansepolcro, seiner Heimatstadt. In dem feierlichen Mo-ment, in dem Christus das Grab verlässt, scheinen sich die Geschichte und die Natur in zwei Teile zu teilen: der eine ist entfernt, trocken und schläfrig, der andere blühend, wach und lebendig. Auf dem Körper des Verherrlichten zeugt das rote, lebendige Blut der Seite von einer Liebe, die nicht mehr ist.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, 
Abtei Kornelimünster

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