18. Juni 2023
Elfter Sonntag der Jahreszeit
Jahr A
Heute hat Christus unsere Hände und Füße, so dass selbst in der kleinsten und bescheidensten Geste gegenüber unserem Bruder oder unserer Schwester die Zärtlichkeit des Vaters durchscheint.
Führungslektionen
IDas Evangelium dieses elften Sonntags zur Verkündigung bietet uns zusammen mit dem Abschnitt aus Ex 19,2-6a einige interessante Einblicke in das, was wir als Leitung in der Kirche bezeichnen könnten. Wir werden keine Analyse der Texte vornehmen, sondern einen eher allgemeinen Diskurs. Wenn wir uns auf den Apostel Paulus berufen, ist Leiterschaft ein Geschenk des in den Himmel aufgefahrenen Christus (vgl. Eph 4,11-13). Wir befinden uns also in der Ordnung der göttlichen Unentgeltlichkeit und des österlichen Geheimnisses. Was aber ist der Zweck der Leitung? Sie soll den Leib der Gemeinschaft, die Kirche, aufbauen. Aber auf welche Weise? Durch die Förderung der verschiedenen Charismen. Aber Vorsicht! Die Aufgabe der Leitung besteht nicht nur darin, die Harmonisierung der verschiedenen Gaben für das gute Funktionieren des Leibes zu fördern, sondern auch Beziehungen durch die Charismen aufzubauen. Lassen Sie uns das näher erklären. Die Charismen werden nicht nur harmonisiert, um (auch) eine größere Effizienz zu erreichen, sondern vor allem, um menschlichere und humanere (und damit christlichere) Beziehungen aufzubauen und zu leben. Und zwar innerhalb der kirchlichen Struktur und dann gegenüber der Welt. All dies, wiederum gemäß den Anregungen von Eph 4, im Hinblick auf Gemeinschaft, Einheit und Frieden. Das Referenzmodell ist Jesus von Nazareth, der sich im vierten Evangelium als der gute Hirte bezeichnet: „Ich bin der gute Hirte“ (Joh 10,11). Das Adjektiv „gut“ (kalós) bezieht sich jedoch nicht auf seine Güte (in diesem Fall hätte das Vierte Evangelium agathos verwendet, vgl. Joh 7,12), sondern auf seine Einzigartigkeit oder, wenn wir wollen, auf seine Eignung. Mit einem Wort, Jesus ist der ideale Hirte, der wahre Hirte, das Vorbild, zu dem man aufschauen kann. Er, der von Hesekiel geweissagt (Ez 34,23), im Psalter besungen (Ps 23), in Mose erahnt wurde, hat nun in Jesus seine vollkommene und glückliche Erfüllung. Matthäus macht uns am Ende auf das aufmerksam, was den Meister in seinem pastoralen Handeln stets inspirierte: das Mitleid (vgl. Mt 9,36); ja, das Mitleid mit den Menschen, die durch die Vernachlässigung und Gleichgültigkeit der religiösen Führer ermüdet und unzufrieden sind. Die Führung Christi geht also vom Herzen aus, von seiner Bereitschaft zu teilen, und daran schließt er die Zwölf an, nachdem er ihnen alle Macht übertragen hat. Heute hat Christus nicht mehr Hände und Füße… wie Mario Pomilio schrieb, sondern er hat unsere Hände, unsere Füße… so dass selbst in der kleinsten und bescheidensten Geste gegenüber einem Bruder oder einer Schwester die Zärtlichkeit des Vaters durchscheint.
Kommentar von b. Sandro Carotta, osb Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster