Donnerstag, 18. Mai 2023
Christi Himmelfahrt
Dass Jesus am Ende der vierzig Tage zum Vater aufsteigt, bedeutet, dass die menschliche Existenz nicht ins Nichts führt, sondern in die Gemeinschaft mit Gott.
wie das Licht,
das sich auf der Welle ausbreitet
vibrierend mit plötzlichen Blitzen.
Donata Doni
Der berühmte französische Schriftsteller Mauriac stellte sich das Leben eines Menschen wie den Lauf eines Flusses vor: klar und ruhig an der Quelle, leicht und stürmisch auf der ersten Strecke von den Bergen hinunter, ermüdend und gewunden in den Mäandern der Ebenen, plötzlich und entschieden in der Mündung des Meeres. Die heutige Himmelfahrtsliturgie lädt uns ein, den Blick auf diese letzte Mündung zu richten; es ist das ewige Schicksal, das unsere Herzen anzieht. Und wenn wir den Blick erheben können, dann deshalb, weil Jesus Christus, der neue und lebendige Weg (vgl. Hebr 10,20), uns den Zugang eröffnet hat, wie die heutige Präfation treffend hervorhebt: „Der Herr Jesus hat uns in der Armut unseres menschlichen Zustandes nicht verlassen, sondern ist uns in die ewige Wohnung vorausgegangen, um uns die heitere Zuversicht zu geben, dass dort, wo er ist, unser Haupt und Erstgeborener, auch wir, seine Glieder, immer in derselben Herrlichkeit vereint sein werden“. Dass Jesus am Ende der vierzig Tage zum Vater aufsteigt, bedeutet, dass die menschliche Existenz nicht im Nichts endet, sondern in der Gemeinschaft mit Gott. Und hier haben wir auch ein Paradoxon des Glaubens, wenn Sie so wollen: Man gelangt zur Fülle des Lebens, indem man durch den Tod hindurchgeht; man steigt zwar in die Herrlichkeit auf, aber nicht, ohne zuvor in die Erniedrigung des Grabes hinabgestiegen zu sein. Wir haben das verstanden, es ist die österliche Dynamik, die durch die Taufe in uns wirkt. Mit Christus gestorben und auferstanden, werden wir in den Abgrund der Liebe Gottes eingeführt, die Johannes Paul II. wie folgt beschreibt: „Mein Raum ist in Dir. Dein Raum ist in mir“. Gott und Mensch nehmen sich gegenseitig auf. Das ist das Ziel der Himmelfahrt: der Schoß der Dreifaltigkeit, in den Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene, als Erster eingedrungen ist und unser Menschsein neben dem Vater aufgerichtet hat (vgl. Gabengebet der Messe). Die heutige Feier ist daher eine wunderbare Synthese aus Hoffnung (Blick nach oben) und Realismus (Blick nach unten). Wenn wir die beiden Extreme (Himmel und Erde) beieinander halten, vermeiden wir die Gefahr eines entfremdenden Spiritualismus und eines leeren und daher tragischen Immanentismus.
Kommentar von b. Sandro Carotta, osb Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster