10. Juli 2022
Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis
Jahr C
Lassen wir uns heilen und machen wir den Weg unseres Lebens zu einem wahren Sakrament der Barmherzigkeit und zu einer echten Sphäre des Heils.
Das Wort des Deuteronomiums hilft uns zu verstehen, dass die Einhaltung der Gebote Gottes die Reifung eines Blicks erfordert, der fähig ist, seine Gegenwart in denen zu erkennen, die der Hilfe bedürfen. Es ist in der Tat so, dass Gottes Wort und Wille nicht weit weg (vgl. Dtn 30,11) sind, wenn wir lernen, uns dem Nächsten zuzuwenden. Auch wir sind berufen, durch eine immer authen-tischere Liebe nichts weniger zu werden als das Bild des unsichtbaren Gottes (vgl. Kol 1,15). Das Unsichtbare wird sichtbar, wenn wir wissen, wie wir an die Öffentlichkeit treten können, ohne den Schmerz des anderen zu übergehen und ohne so zu tun, als ob wir ihn nicht sehen. Das Risiko be-steht darin, dass wir uns der Möglichkeit entziehen, gesehen zu werden, uns zu begegnen und unse-rerseits durch Barmherzigkeit und Mitgefühl gerettet zu werden. Wenn wir noch einmal das Gleich-nis vom barmherzigen Samariter lesen, erhalten wir den Trost und die Gewissheit, dass wir unseren Weg nicht allein gehen. Der Herr hat sich auf die sehr unsicheren Wege unseres Menschseins bege-ben und lässt uns nicht allein: Seine Sorge ist so groß, dass er anhält und uns auf seinen Berg lädt (vgl. Lk 10,34). Es liegt uns fern, uns in der Gestalt jenes vierten Mannes zu sehen, der wie die drei anderen Männer auf dem Weg war, aber im Gegensatz zu ihnen von einem so tiefen Mitgefühl gelei-tet wurde, dass er den Weg abbrach, um ihn später wieder aufzunehmen und … erst, nachdem er das Ziel des Lebens erreicht hatte, das in der Fähigkeit zu lieben besteht. Das Wort und die Taten des Herrn Jesus haben keinen anderen Zweck, als uns die Möglichkeit zu eröffnen, in einer Weise zu leben, die Christus ähnlich ist, der niemals an uns vorbeigeht, sondern sich wirklich nahe macht.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster