3. Juli 2022

Vierzehnter Sonntag im Jahreskreis

Jahr C

Was uns auf unserem Weg Kraft geben kann, ist das Bewusstsein der Gegenwart eines Menschen, der uns mit seinem Blick und seinem Wort den Rücken stärkt.

Die Art und Weise, in der der Herr Jesus uns auffordert, das Evangelium zu verkünden – nämlich durch Zeugnisgeben –, besteht darin, dies mit Leidenschaft und Leichtigkeit zu tun. Es geht darum, beweglich und frei zu sein, sich zu engagieren, ohne besessen zu sein und sich zu beschäftigen. Der Jünger wird aufgefordert, nicht über die Reaktion auf die Verkündigung zu urteilen: „Wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkeh-ren“ (Lk 10,6). Der Jünger wird aufgefordert, demütig zu bleiben und sich nicht zu viel zuzumuten, wenn er die Reaktion der anderen auf die Verkündigung des Evangeliums bewertet und beurteilt. Das Kreuz, von dem Paulus in der zweiten Lesung spricht, ist der einzige Stuhl, den die Kirche kennen kann, und es ist der Stuhl einer Mutter, die jedes Geschöpf wie einen Sohn stillt, und nicht die Tribüne, von der aus sie alles und jeden beurteilt. Die Worte des Paulus: „Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,14), finden ihre Entsprechung in den Worten des Propheten Jesaja: „Auf dass ihr trinkt und satt werdet an der Brust ihrer Tröstungen, auf dass ihr schlürft und euch labt an der Brust ihrer Herrlichkeit!“ (Jes 66,11). Im Gegensatz zu diesen beiden Bildern, die von der Logik des Dienens und des Gebens beherrscht werden, steht der Verweis auf Sodom (Lk 10,12), die Stadt, die der Herr Jesus heraufbeschwört, um deutlich zu charakterisieren, was der Logik des Reiches Gottes und dem Geheimnis seines Wachstums im Herzen unserer Menschheit entgegensteht. Sodom kann durchaus auf eine Zivilisation hindeuten, die sich in sich selbst verschließt.

Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster

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