25. Dezember 2021

Hochfest der Geburt des Herrn

Die Emotionen, die die Texte der Liturgie uns vermitteln, sind ein Hinweis darauf, wie weit wir das Geheimnis des Weihnachtsfestes verinnerlicht haben.

Das Geschenk annehmen

Ein Benediktinermönch aus dem 11. Jahrhundert lässt sich in der Betrachtung des Weihnachtsgeheimnisses gehen, indem er einen Text aus der Heiligen Schrift kommentiert: „Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht in ihrem Lauf bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel“ (Weish 18,14). Der Kommentar, die Frucht der lectio divina, setzt die Zeit der Nacht, in der die Kirche seit jeher die Geburt ihres Herrn zu feiern pflegt, mit dem Geheimnis der Menschwerdung in Beziehung: „Die Schrift bezieht sich auf jene heilige Zeit, in der das allmächtige Wort Gottes unter uns kam, um uns das Heil zu offenbaren, indem es aus dem Schoß und Herzen des Vaters in den Schoß einer Mutter herabstieg, sich erniedrigte, um uns zu erhöhen, sich seines Glanzes entledigte, um uns zu bereichern, sich inkarnierte, um uns göttlich zu machen“.[1] Die göttliche Offenbarung könnte auf beeindruckende Weise gegeben werden und nicht durch diesen demütigen Abstieg in unser Fleisch, so demütig und doch so leidenschaftlich wie ein Bräutigam, der aus dem Brautgemach kommt, der sich aus Liebe und um der Liebe willen entäußert. In dieser heiligen Nacht betrachten wir nicht nur das unermessliche Geschenk, das Paulus zu der Aussage veranlasst: „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten“ (Tit 2,11). Dies ist die Art und Weise, wie der Vater seine Herrlichkeit und seinen Wunsch, seine unaussprechliche Liebe zu offenbaren, zum Ausdruck bringt: „Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt“ (Jes 9,5). Wenn wir in dieser Nacht persönlich die Worte der Engel an die Hirten aufgreifen: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll“ (Lk 2,10), können wir nicht umhin, dieselben Worte der himmlischen Heerscharen zu wiederholen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lk 2,14).

[1]     JULIAN VON VÉZELAY, Predigten zu Weihnachten, 1.

Kommentar von d. Michael David, osb
Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation

Übersetzung von fr. Daniel Tibi
Abtei Kornelimünster

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