8. September 2024
Dreiundzwanzigster Sonntag
im Jahreskreis
Jahr B
Effatà! – Öffne dich!. Das Handeln Jesu zielt darauf ab, dass der Mensch sich mit allen Sinnen für das öffnet, was außerhalb von ihm ist: seinem Nächsten und der Schöpfung.
EFFATÀ – ÖFFNE DICH
Ist nicht alle Ewigkeit notwendig
damit sich unser Blick für das Licht öffnet?
Teilhard de Chardin
Halten wir zunächst einmal bei dem Wort effatà inne, das Jesus über den Taubstummen ausspricht. Effatà ist ein Wort, das schon bei Jesaja (35,5 LXX) vorkommt und in prophetischer Weise das Heil ankündigt, das Gott für sein Volk wirken wird. Die Markus-Stelle bezeugt, dass sich die Ankündigung in Jesus erfüllt hat. Daher die Reaktion der Menge: „Er hat alles gut gemacht: Er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen“ (Mk 3,37). Dieser Ausruf drückt nicht nur Erstaunen, sondern auch Glauben aus und verweist auf zwei alttestamentliche Texte. „Er hat alles gut gemacht“ verweist auf Gen 1,25, wo es heißt, dass Gott am Ende eines jeden Schöpfungsaktes „sah, dass es gut war“. „Er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen“ bezieht sich stattdessen auf das bereits erwähnte Jes 35. Mit einem Wort: Die Menge erkannte in Jesus das Handeln Gottes, der eine neue Schöpfung (Genesis) gemäß den Verheißungen an die Väter (Jesaja) einleitet. In der christlichen Taufe hat sich der Ritus der Auslöschung gerade in Erinnerung an diesen Abschnitt des Evangeliums erhalten. Der Mensch muss fähig sein, das Wort Gottes zu hören und es mit seinen Lippen auszusprechen. In der Antike wurden während des Taufritus auch die Nasenlöcher des Neophyten mit dem Speichel am Finger berührt, und am Ende wurde gesagt: „Effatà, öffne dich im Duft der Süße“ (in odorem suavitatis). Kurz gesagt, das Handeln Jesu zielt darauf ab, dass der Mensch sich mit allen Sinnen für das öffnet, was außerhalb von ihm ist. Wir stehen vor einem unendlich offenen Gott, der den Menschen als sein Ebenbild haben will, der fähig ist, in einen freien und fruchtbaren Dialog mit sich selbst, seinem Nächsten und der Schöpfung zu treten.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster