15. August 2024
Mariä Aufnahme
in den Himmel
Das Hochfest Mariä Himmelfahrt erhebt uns nicht nur in den Himmel, sondern richtet unseren Blick auch auf das Positive unserer Menschlichkeit.
EINE FRAU, DIE ZU DEN EWIGEN HERRLICHKEITEN DES HIMMELS ERHOBEN WURDE
Maria
ist das einzige reine Wesen fleischlich
das einzige reine fleischliche Wesen.
…
Die Heilige Jungfrau
ist der größte Segen
der auf die Erde fiel
C. Péguy
Das Hochfest Mariä Himmelfahrt ist das Fest unserer Hoffnung. Paulus schreibt an die Korinther: „Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel“ (2 Kor 5,1). Nicht der Tod ist also die letzte Mündung unserer Tage, sondern das Leben, jene Fülle des Lebens, die wir im Glauben an Christus Auferstehung nennen. In diesem Licht rief Thérèse von Lisieux auf ihrem Sterbebett aus: „Ich sterbe nicht, sondern gehe in das Leben ein“.
Die Kirche, die auf Maria blickt, hebt heute auch einen anderen, sehr wichtigen Aspekt hervor. Im Tagesgebet heißt es: „Allmächtiger, ewiger Gott, du hast die selige Jungfrau Maria, die uns Christus geboren hat, vor aller Sünde bewahrt und sie mit Leib und Seele zur Herrlichkeit des Himmels erhoben.“ Man beachte, dass nicht nur die Seele verherrlicht wird, sondern auch der Leib, d. h. die Gesamtheit des Wesens der Jungfrau Maria, die zu den ewigen Herrlichkeiten des Himmels erhoben wird. Und das, was in ihr bereits volle Wirklichkeit ist, wird uns, die wir noch Pilger sind, am Ende der Zeiten zuteil. Wenn unser Körper von Gott verherrlicht wird, ist es offensichtlich, dass wir ihn nicht als eine lästige Hülle, als einen rein irdischen Habitus betrachten dürfen, sondern als den Ort, an dem Gott sein Werk tut. Denn zuerst hat er sie geschaffen, dann hat er sie erlöst, und am Ende wird er sie verherrlichen. Wenn das wahr ist, dann sollten wir den Leib lieben, und zwar als Sakrament, das uns auf den Geber zurückverweist. Lieben wir ihn in seiner Zerbrechlichkeit und Schönheit, in seiner Kraft und Schwäche. Vielleicht sollten wir auch mit ihm versöhnt sein. Zusammenfassend können wir mit dem Theologen Karl Rahner sagen, dass: „das arme Fleisch, das die einen hassen und die anderen anbeten, würdig gemacht worden ist, ewig bei Gott zu sein und damit ewig gerettet und bestätigt zu werden. Die Existenz des Fleisches hier und jetzt ist weder eine Mauer, die uns auf ewig von Gott trennt, noch ist es das, was abgetötet werden müsste, um zu Gott zu gelangen. Vielmehr wurde das Fleisch von Gott geschaffen, vom Sohn erlöst, vom Geist geheiligt und ist nun für uns ewig gerettet“.
Das Hochfest Mariä Himmelfahrt ist also voller Freude und Hoffnung, ein Fest, das uns nicht nur in den Himmel projiziert, sondern auch hier auf der Erde in einer positiven Wiederherstellung unserer Menschlichkeit. Der heilige Anselm von Canterbury stellt in diesem Zusammenhang fest, dass die Verherrlichung Marias nichts Geringeres als die Schöpfung beinhaltet. Obwohl sie in Gott aufgenommen wurde, ist Maria immer noch unter uns, in der Kirche, als wachende und fürsorgliche Mutter. In ihr ist die göttliche Zärtlichkeit bei uns bis zum letzten Tag, bis zum letzten Schritt des letzten Menschen, der auf Erden leben wird. Daran erinnert uns auch Kardinal Newman in einem seiner Gedichte, in dem er diesen Gruß, der kein Abschied, sondern ein Versprechen ist, auf die Lippen der Jungfrau Maria legt:
Du hast mein Gesicht nicht verloren,
Ich bin immer in deiner Nähe.
Das Lächeln, das ich auf der Erde liebte, habe ich immer noch,
die Süße ihrer Begegnungen,
deine klare Fröhlichkeit.
Damals wie heute.
Ich höre die letzten Worte
von dem, was kaum geflüstert wird,
Gebet mit leiser Stimme,
mit flüchtigem Atem.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster