7. Mai 2023

Fünfter Sonntag der Osterzeit

Jahr A

Das Leben ist keine bloße biologische Tatsache, sondern Gott selbst ist unsere ursprüngliche Quelle und unsere glückliche Vollendung.

Im Evangelium dieses fünften Ostersonntags erklärt Jesus, dass die Jünger den Weg zu dem Ort kennen, an den er geht (vgl. Joh 14,4). Wenn der Vater der Ort ist, zu dem Jesus zurückkehrt, ist der Weg natürlich der der Liebe. Aber nicht irgendeine Liebe, sondern eine Liebe wie die seine, die die Form der Oblativität und das Maß der Totalität hat. Die Form der Aufopferung nimmt die Form der Dienerschaft bis zur Form des Kreuzes an; das Maß der Totalität ist die freie und unentgeltliche Gabe, die er bis zum Tod von sich gibt. Aber die Jünger verstehen nicht, und Thomas interpretiert das Unbehagen der apostolischen Gruppe gut, wenn er sagt, dass er nicht weiß, wohin Jesus geht und welchen Weg er nimmt. Thomas glaubt im Grunde nicht, dass die Liebe stärker ist als der Tod, dass der Weg der Hingabe siegreich ist. Auch Lukas hat viel über das Thema des Weges nachgedacht. In der Apostelgeschichte 9 erzählt er uns von einem Weg des Fanatismus, den Paulus vor der Begegnung mit dem Auferstandenen gegangen ist; in der Apostelgeschichte 8 ist der Weg der Suche, und er führt von Jerusalem nach Gaza. Hier haben wir den Eunuchen der Königin Kandake, der in der Schrift nach dem geheimnisvollen Diener sucht, von dem Jesaja spricht; dann gibt es den Weg der Umkehr, den von Jericho, in Lukas 19, wo Zachäus dem Meister von Nazareth begegnet und sein Leben radikal verändert; schließlich finden wir, wiederum bei Lukas, in Kapitel 24, den Weg, der von Jerusalem nach Emmaus führt, auf dem zwei enttäuschte und verbitterte Jünger einem geheimnisvollen Gefährten begegnen, den sie beim Brechen des Brotes erkennen. Es ist der Weg der Enttäuschung, der zum Weg des Glaubensbekenntnisses wird. Aber der Weg, von dem Jesus zu uns spricht, ist er selbst. Der Weg ist also eine Person, der man folgen muss; die Wahrheit – immer an diesem Horizont – ist kein Konzept, sondern ein Mensch, den man aufsuchen und kennenlernen muss; das Leben ist nicht eine bloße biologische Tatsache, sondern Gott selbst, unsere ursprüngliche Quelle und unsere glückliche Erfüllung.

Kommentar von b. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster

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