27. März 2022
Vierter Fastensonntag
Jahr C
Das Ende des Mannas ist der Beginn der Zeit der Bewahrung des verheißenen Landes, das Bild unseres Lebens in Richtung einer schwierigen, aber unverzichtbaren Freiheit.
Die Worte des Vaters sind keine Rechtfertigung für Übertretungen, sondern klingen wie die notwendige Akzeptanz der einzigartigen Realität eines jeden seiner Kinder, damit sich jedes für Neues öffnen kann, ohne m Alten zu haften. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass auch die besten und heiligsten Dinge alt werden können, wenn sie nicht ständig erneuert und mit der Jugendlichkeit einer immer wieder neu entdeckten Liebe belebt werden. So wie die Beziehung zwischen dem Vater und dem jüngeren Sohn neu belebt wird, als dieser wieder nach Hause zurückkehrt und der Vater ihn freudig aufnimmt. Wie einer der bedeutendsten Autoren unserer Zeit in einer inzwischen klassischen Schrift feststellt: „Wenn ich mein verlorenes Ich mit Gottes Augen betrachte und Gottes Freude über meine Heimkehr entdecke, dann kann mein Leben weniger ängstlich und zuversichtlicher werden“ . Wenn die Reise der Befreiung abgeschlossen ist, muss der Prozess der Freiheit noch vollendet werden, Tag für Tag. Der Dienst der Versöhnung war in der Geschichte Israels schon immer im Entstehen begriffen und steht im Mittelpunkt des geheimnisvollen, manchmal verschlungenen Weges der Menschheit, den jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise zurücklegt. Die Formel, die Gott gegenüber dem in Freiheit neugeborenen und im Bund wiedergeborenen Volk verwendet, hat den Beigeschmack einer feierlichen Absolution: Heute habe ich die Schande Ägyptens von euch genommen. Die stummen Lippen des Vaters, wenn er seinen jüngsten Sohn gehen sieht, öffnen sich für einen Kuss, wenn er beschließt, zurückzukehren, um sich im mütterlichen Schoß seiner väterlichen Barmherzigkeit zu nähren, und werden so zu einer Einladung zum Festmahl. Aber es gibt auch den älteren Bruder! Vorsicht: Vielleicht sind wir das?
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster