27. Februar 2022
Achter Sonntag im Jahreskreis
Jahr C
Barmherzig zu sein beginnt damit, dass wir uns bewusst werden, dass wir einen befreienden und nicht schuldbeladenen Blick brauchen, einen Blick der Fürsorge.
Das Wort des Herrn, dass ein Jünger nicht mehr ist als sein Lehrer, verlangt von uns, dass wir sehr vorsichtig sind, wie wir handeln und sprechen. Jesus Sirach, ein jüdischer Weiser mit hellenistischem Hintergrund, dessen Werk uns in der griechischen Fassung eines seiner Enkel aus dem Jahr 132 v. Chr. überliefert ist, sagt, dass sich der Wert eines Menschen an der Qualität seiner Sprache im Sinne von Tiefe und Angemessenheit ablesen lässt. Das bestätigt der Herr Jesus, wenn er sagt, dass der Mund ausdrückt, was aus dem Herzen kommt. Manchmal benutzen wir Worte als Waffe. Die Ermahnung des Apostels, im Werk des Herrn immer weiter voranzukommen, kann mit dieser Fähigkeit identifiziert werden, immer mehr auf den Schatz in uns zu schauen, um den Schatz im Herzen unseres Bruders zu entdecken, trotz aller Splitter, die seinen Blick trüben, und der Löcher, die seinen Weg gefährlich machen. In jedem Augenblick liegt ein Loch vor uns, das zu einem Abgrund werden kann und in das wir fallen können, wenn uns niemand vor der Gefahr warnt und uns den sichersten Weg für unsere wankenden Füße zeigt. Dem anderen direkt in die Augen zu schauen, ohne Angst, ihm ins Gesicht zu schauen, und ohne unnütze Wendungen, mit denen wir versuchen, das Loch zu verbergen, in das sich unser unglückliches Herz manchmal verwandelt, bedeutet, diesen sterblichen Körper schon jetzt mit Unsterblichkeit zu bekleiden. Nur so wird der tödliche Stachel harmlos sein.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster