13. Februar 2022
Sechster Sonntag im Jahreskreis
Jahr C
Kraft unserer Taufe sind wir aufgerufen, unser prophetisches Charisma auszuüben, um dadurch unser wahres Glück zu finden.
Die Seligpreisungen nach Lukas, die kürzer sind als die bei Matthäus, werden von Weherufen begleitet: „Wehe euch!“ Während Matthäus den lehrhaften Aspekt der Lehre Jesu betont, indem er ihn wie Mose auf einem Berg sprechen lässt, stellt Lukas Jesus gerne in der Gestalt der Propheten dar und lässt ihn an einem flachen Ort reden, der Schauplatz der großen Schlachten ist. Dies erinnert an den geistigen Kampf, der im Herzen eines jeden Jüngers stattfindet, um in die Logik des Evangeliums einzutreten und darin zu bleiben. Außerdem sind die Worte des Herrn direkt und richten sich nicht an die große Menge, sondern an seine Jünger und damit an uns. Die zweite Lesung hilft uns, die Botschaft der Seligpreisungen im Herzen unseres Glaubens mit der Auferstehung in Verbindung zu bringen, ohne die unsere Hoffnung vergeblich ist. Jeremia verwendet eine starke Antithese zwischen Segen und Fluch, die durch das Bild der doppelten Pflanze veranschaulicht wird, und lenkt die Aufmerksamkeit auf das zentrale Verb: vertrauen. Der Segen, wie auch sein Gegenteil, hängt also davon ab, inwieweit wir auf den Herrn und nicht auf uns selbst vertrauen. Die Seligpreisungen sind – mehr noch als Mahnung – eine heitere und weitsichtige Aussage des Herrn Jesus, die einen wahren Blick auf unseren inneren Kampf wirft und uns jede Illusion von billigem Glück bringt. Jeder Mensch gleicht einem Baum, dessen Schönheit und Fruchtbarkeit direkt proportional zu seinen Wurzeln ist. Es geht darum, die Wurzeln unseres Menschseins in den fruchtbaren Boden des Evangeliums einsinken zu lassen, aus dem wir alles schöpfen können, was uns befähigt, Frucht zu bringen.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster