29. Juni 2025
Hochfest Apostel Petrus und Paulus
Der von Michelangelo dargestellte menschliche Körper offenbart die göttliche Herrlichkeit. Schönheit wird zur Anmut, die bekehrt, befragt und zur Wahrheit aufruft.
DIE BEIDEN ZEUGEN
Dann verließ Petrus sie und ging an einen anderen Ort.
(Apg 12,17)
Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.
(2 Tim 4,7)
Welche Botschaft hat uns Michelangelo Buonarroti hinterlassen? Zweifelsohne die des Körpers, das heißt, der unvergleichliche Maestro schrieb bildlich eine Theologie des Körpers. Und wenn der Körper die einzig wahre Michelangelo-Landschaft ist, dann ist sein stilistisches Vokabular der Akt. Wie viele Künstler seiner Zeit studierte er nicht nur leidenschaftlich die Anatomie, so sehr, dass er sogar die genauen Positionen der Muskelbündel identifizierte, sondern suchte auch nach ästhetischer Perfektion und idealer Schönheit. Kurz gesagt, für ihn ist die Schönheit, die der Betrachtung des Körpers entspringt, die Pforte zum Göttlichen, die Sichtbarkeit Gottes selbst. Es ist kein Zufall, dass, wenn man die Szene der Erschaffung Adams in der Sixtinischen Kapelle genau betrachtet, die Figur Gottes konvex und die des Menschen konkav ist. Das ist kein Zufall. Der menschliche Körper ist eine Art Abguss des göttlichen Körpers. Dieser Körper, so haben wir gesagt, ist nackt und männlich. Im männlichen Akt sieht Michelangelo – Erbe des Klassizismus – den tugendhaften Menschen in den Rang eines Gottes erhoben, wie es die Helden und Athleten im alten Griechenland waren. Die Nacktheit ist das Gewand der Unschuld: ein Körper, der so sehr von der Herrlichkeit Gottes überströmt, so voller Licht ist, dass er buchstäblich in erstaunliche Muskeln ausbricht. Und der Körper ist auch der Protagonist in der Pauluskapelle, wo Michelangelo die Bekehrung des Paulus (1542-1545) und die Kreuzigung des Petrus (1545-1550), die beiden Säulen der Kirche Christi, malte. Seit dem 12. Jahrhundert wird Paulus dargestellt, wie er vom Pferd stürzt, geblendet vom Licht des Auferstandenen. Michelangelo sieht sie in einem höheren Alter, überwältigt von einem athletischen, schönen Christus, umgeben von verängstigten und aufgewühlten Gestalten. Wir scheinen vor dem Fresko des Jüngsten Gerichts zu stehen. Kurzum, Gott bricht ein und schlägt den Fanatismus des zukünftigen Heidenapostels nieder. Die Gnade (charis), wie Paulus selbst sagen wird (insbesondere im Römerbrief), hat ihn so weit erleuchtet, dass er sich vom Feind zum treuen und überzeugten Zeugen bis hin zum Martyrium verwandelt. Neben Paulus steht hier Petrus, der wie sein Meister gekreuzigt werden soll. Der Legende nach fühlte er sich nicht würdig, wie Jesus zu sterben, und bat darum, kopfüber gekreuzigt zu werden. Sein Blick ist auffallend, er starrt die Schaulustigen auf eine grimmig fragende Art an. Ist dies eine Warnung? Sicherlich, vor allem für den Papst, der in der katholischen Tradition der Nachfolger Petri ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass Michelangelo in einer päpstlichen Institution lebte, die stark weltlich geprägt und weit entfernt von evangelischen Idealen war.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster
