15. Juni 2025

Dreifaltigkeitssonntag

Jahr C

Die Dreifaltigkeit offenbart sich im Kreuz: Gott steigt zum Menschen herab, der Mensch steigt zu Gott auf.

DAS KREUZ IST DER HISTORISCHE ORT DER OFFENBARUNG GOTTES

Das Kreuz ist das triumphale Symbol,
mit dem Christus an die Tür des Himmels schlägt
und öffnet ihn weit. Dann brechen sie aus,
die Ströme des göttlichen Lichts.

Edith Stein

Der am 21. Dezember 1401 in San Giovanni Valdarno geborene Tommaso di Giovanni Cassai, genannt Masaccio, zog bald nach Florenz, wo er bereits 1419 als Maler tätig war. In den zehn Jahren seiner Tätigkeit (er starb 1428 in Rom) führte er eine solche Revolution durch, die außer bei Giotto keinen Präzedenzfall hat. Vasari erkannte sofort seine Stärke: „Vor ihm konnte man die Dinge als gemalt bezeichnen, und sein Leben als wahr und natürlich“. Für Masaccio ist die Malerei jedoch viel mehr als eine Darstellung des Realen: Malerei ist ein Gedanke, den das Bild mit Linie und Farbe plastisch und sichtbar wiedergibt. Er ist ein Philosoph der Moral (Sgarbi), nicht der Wissenschaft wie Paolo Uccello, der von der Perspektive besessen war, und schon gar nicht ein Metaphysiker wie Piero della Francesca. Das Meisterwerk seiner Reifezeit ist die Dreifaltigkeit von Santa Maria Novella. Die Komposition weist eine doppelte Bewegung auf: aufsteigend (vom Skelett zum ewigen Vater) und absteigend (von Gott über den gekreuzigten Christus zu den Zuschauern). Der erste Satz zeichnet eine Art Weg zur Erlösung nach: durch die Pforte des Todes (Skelett), im Geist des Glaubens (die beiden Seitengebete, kniend und mit gefalteten Händen) und mit der Fürsprache der Heiligen (Maria und Johannes, der geliebte Jünger) gelangt der menschliche Geist zum Frieden der Dreifaltigkeit. Diese aufsteigende Bewegung ist möglich, weil Gott in Jesus zum Menschen herabgestiegen ist. Hier ist also die zweite Bewegung, die vom Vater ausgeht, im Geist (Taube), um den Menschen durch Christus zu erreichen. Masaccio erinnert uns an eine wichtige theologische Realität: Die Trinität ist ein Dogma. Das Dogma geht aus der Offenbarung hervor, und die Offenbarung geht immer von einem bestimmten, definierten und wahren Raum aus. Dieser Raum ist der perspektivische Raum der Architektur Brunelleschis. Masaccios Genialität erreicht hier ihren Höhepunkt, weil er eine der größten christlichen Wahrheiten ikonografisch umsetzt: Das Kreuz ist der historische Ort der Offenbarung Gottes.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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