18. Mai 2025

Fünfter Sonntag
der Osterzeit

Jahr C

Das neue Gebot bedeutet, Zeugnis von der Gegenwart Christi unter uns abzulegen, der jedem Menschen seine Würde zurückgegeben hat.

DAS NEUE GEBOT

Die brüderliche Liebe ist der Ort, an dem sich Christus weiterhin vergegenwärtigt,
der Ort, an dem man die Beziehung zu ihm erlebt.

B. Maggioni

Heute führt uns die Liturgie in den Abendmahlssaal, wo Jesus den Seinen das neue Gebot gibt. Wir betreten diese feierliche Stunde auch durch ein Werk von Tintoretto, Das letzte Abendmahl (1592-1594). Der Sohn des Tuchfärbers Giovanni Battista, Jacopo Robusti (1518-1594), genannt Tintoretto, wird von Vasari als „das schrecklichste Gehirn, das die Malerei je hatte“ bezeichnet. Boschini urteilte noch negativer über ihn und nannte ihn einen „praticon de man„. Doch nicht alle waren ihm feindlich gesinnt, denn 1556 wurde er zusammen mit Palladio, Tizian und Salviati in die Florentiner Akademie für Malerei aufgenommen. Der temperamentvolle Jacopo verfolgte von Beginn seiner Tätigkeit an ein ganz bestimmtes Ideal: Ruhm. Seine Gemälde wurden bald beispielhaft für ihren Farb- und Lichtgeschmack und für die Lebendigkeit der Szenen, die immer voll von Posen, Drehungen und Muskeln waren, die an Michelangelo erinnerten. In den 1550er Jahren malte Tintoretto sowohl mythologische als auch religiöse Szenen mit großer Geschicklichkeit und Geläufigkeit und griff dabei Anregungen von Paolo Veronese auf. Im Jahr 1564 beginnt er mit der Ausschmückung der Scuola di San Rocco, dem Werk, das seine künstlerische Entwicklung vielleicht am meisten charakterisiert. Von der Großartigkeit der Szenen ging er zu einer meditativen und intensiven Ausdrucksforschung über. Im Jahr 1575 spielte er eine führende Rolle bei der Neugestaltung des Dogenpalastes, die in dem riesigen Gemälde des Paradieses im wichtigen Saal des Maggior Consiglio gipfelte. Eines seiner letzten Werke ist das bereits erwähnte Letzte Abendmahl in San Giorgio Maggiore (Ve). Wir können es als das letzte Zeichen der Entwicklung der aufklärerischen Forschung des Meisters bezeichnen. Es gibt zwei Lichtquellen: die Lampe oben links, die die himmlischen Geister beleuchtet, und Christus in der Mitte des Tisches, der das Brot des eucharistischen Abendmahls darbringt. Zwischen den beiden Lichtquellen weitet sich der Sehhorizont der gesamten Komposition. Die Figuren rundherum sind in Erstaunen und Verwirrung gefangen. Wir haben auch die Verfolgung der staunenden Blicke, die sich gegenseitig von dem Ereignis erzählen wollen, dessen Protagonisten sie sind. Die Darbringung des Brotes ist schweigend, wird aber dann im neuen Gebot erklärt. Das Gebot zu leben bedeutet, die Gegenwart Christi unter uns zu bezeugen, die Tat, durch die er jedem Menschen seine Würde zurückgegeben hat.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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