11. Mai 2025

Vierter Sonntag
der Osterzeit

Jahr C

Indem er seinen Mitmenschen die Intimität seines Lebens eröffnet, führt uns Jesus als guter, einzigartiger und gerechter Hirte zum Vater.

DER SCHÄFER

Er sucht unser wahres Wohl
und weiß, wie er uns zu jeder Stunde die notwendige Nahrung geben kann.

Charles de Foucauld

Lucas Granach der Jüngere (1515-1586), der Sohn von Lucas Granach dem Älteren (1472-1553), erbte mit der reichen Werkstatt seines Vaters die elegante malerische Linie und eine Neuinterpretation der Spätgotik. Der Gute Hirte Christus erscheint in seiner Einfachheit franziskanisch und zugleich außerordentlich menschlich und intensiv. Das Schaf auf seinen Schultern spiegelt jedoch nicht nur seine liebevolle Fürsorge wider, sondern vor allem die Gemeinschaft des Lebens, die in dem von Jesus verwendeten Verb „kennen“ gut zum Ausdruck kommt: „Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie“ (Joh 10,27). Ginôskô bedeutet ein Wissen durch die Erfahrung von Gemeinschaft und Intimität. Jesus kennt seine Jünger mit der gleichen Vertrautheit, mit der er den Vater kennt (vgl. Joh 10,14); er ist mit seinen Schafen in Gemeinschaft, wie er mit dem Vater in Gemeinschaft ist: „Ich und der Vater sind eins (Ego et Pater unum sumus)“. (Joh 10,30). Was hat Jesus mit diesen Worten gemeint? Er hat ohne Umschweife einen noch nie dagewesenen und skandalösen Monotheismus erklärt. Wir müssen wissen, dass das Unum (Eins) nicht nur in der jüdischen Tradition der absolute Gott ist, die Über-Essenz, das Unaussprechliche. Im Hebräischen wird der Eine Echad genannt (vgl. Dtn 6,4). Echad bedeutet sicherlich Eins, aber auch Einzigartig, Allein, Identisch, Unvergleichlich. Jesus sagt, dass dieses Unum durch ein ego et Pater konstituiert wird; ego et Pater bilden das sumus. Aber wie ist es möglich, dass im Unum das sumus ist? Doch Jesus spricht vom Sumus und macht uns klar, dass es in Gott keinen monotheistischen Absolutismus oder eine Einsamkeit der Gottheit gibt. Im Unum gibt es eine Dualität (Vater-Sohn), Gegenseitigkeit, Beziehung. Ein Aspekt ist interessant: Jesus spricht vom Unum im sumus in der Rede vom guten Hirten (vgl. Joh 10). Und das nicht zufällig. Hirte zu sein bedeutet, eine bestimmte Funktion auszuüben, nämlich die Herde (die Brüder) zu führen, zu begleiten, zu unterstützen und zu verteidigen. Aber wer ist es, der diese Funktion ausübt? Die Identität des Hirten ist die des Logos. Wir dürfen nie vergessen, dass Jesus für das vierte Evangelium der Logos, das Wort Gottes, ist. Johannes wird sagen, dass Jesus das wahre Licht ist, das Wasser, das den Durst löscht… d.h. er wird viele Bilder verwenden, um von Jesus zu sprechen, aber hinter diesen Bildern ist immer der Logos impliziert. Nun, der griechische Begriff logos kommt von dem Verb legein, was „sammeln“ bedeutet. Jesus ist der Logos, der sammelt (Funktion des Hirten) und alle in das Unum, in die Gemeinschaft mit dem Vater bringt (Ziel des pastoralen Handelns). Jesus öffnet also seinen Brüdern die Intimität seines Lebens. Darin erweist er sich als guter Hirte, ja, nach dem Begriff kalos, als „gerechter“, „geeigneter“ Hirte. Denn Jesus ist der einzige Hirte, der geeignet ist, zum Vater zu führen.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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