16. März 2025

Zweiter Sonntag
der Fastenzeit

Jahr C

Nur durch die Pforte des Todes kann Gott bis zu den Fasern unseres Wesens vordringen und uns für immer in sich entrücken.

DAS LICHT DER KOMMENDEN ZEIT

Die Sonne lehrt alle Lebewesen
die Sehnsucht nach dem Licht.
Doch es ist die Nacht,
die uns alle zu den Sternen erhebt.

Khalil Gibran

Am Karfreitag, den 6. April 1520, starb in Rom Raffael Sanzio (1483-1520), der von dem Kritiker Federico Zeri als die höchste Leistung der italienischen Renaissance bezeichnet wurde. Er wurde in Urbino geboren und erlernte die ersten Grundlagen der Malerei von seinem Vater Giuseppe Santi, einem Maler aus dem Umkreis von Melozzo da Forlì. Raphael orientierte sich zunächst an Perugino und Piero della Francesca. Von ersterem lernte er die klassizistische Sprache, von letzterem die Rationalität des Raums. Später erbte er von Leonardo das Gefühl für die Natur und von Michelangelo das moralische Empfinden. Alles wird in ihm eine perfekte Synthese finden, die nie zuvor erreicht wurde. Aber wenn wir das Genie Raffaels richtig verstehen wollen, müssen wir uns der Verklärung (1518-1520) zuwenden, der zweiten Tafel, die wir in unserem Fastenweg vorschlagen. In diesem Höhepunkt der Malerei wird die Form durch nichts Geringeres als den Lichteinfall bestimmt. Das Ereignis der Verklärung Christi wird auf originelle Weise und damit abseits der traditionellen Ikonographie neu interpretiert. Raffael war der Einzige, der die Verklärung durch Hinzufügen neuer Elemente erzählte. Auf dem Tabor zeigt sich nicht nur Jesus in seiner Herrlichkeit, sondern auch ein junger Mann wird befreit und einer ehebrecherischen Frau wird vergeben. Er, der den Tod besiegt hat und auferstanden ist, hat den Menschen von aller physischen, psychischen und moralischen Entfremdung befreit. Mit dieser frohen Botschaft des Evangeliums nimmt der Meister Abschied von der Welt, die ihn so sehr geliebt hat. Die Verklärung wird lange über seinen Leichnam wachen, der später im Pantheon beigesetzt wird, einem Ort, der früher den Göttern vorbehalten war. So sahen es auch seine Zeitgenossen. Tabor ist ein Ereignis des Lichts, und dieses Licht hört nicht auf, von Christus auszustrahlen. Dies bezeugt insbesondere Simeon, der neue Theologe (949-1022), der vor seinem geistlichen Vater, der ihn fragte, was er beim Beten gesehen habe, antwortete: „Ein Licht, mein Vater, ein süßes, süßes Licht; mein Verstand weiß nicht, wie er es beschreiben soll“. Darauf erwiderte der Ältere: „Mein Sohn, Er ist es!“. Aber das Taborlicht geht vom Leidenstod Jesu aus, d. h. vom Exodus, den der Meister in Jerusalem vollzogen hätte, wie Lukas treffend bemerkt. Um in das Licht der zukünftigen Stadt, des Jerusalem von oben, einzutreten, ist es jedoch notwendig, das dunkle Tal (großes Geheimnis!) zu durchqueren, d.h. die Pforte des Todes. Aber nur durch diese Verkleinerung kann Gott bis zu den Fasern unseres Wesens vordringen und uns für immer in sich entrücken.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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