23. Februar 2025
Siebter Sonntag
im Jahreskreis
Jahr C
Die barmherzige Liebe, die vom Vater ausgeht, ist eine hartnäckige Liebe, die treu bleibt, auch wenn sie nicht erwidert wird, die nicht versagt, auch wenn sie verraten wird.
Im Mittelpunkt der heutigen herausfordernden Seite des Evangeliums steht die Aussage Jesu: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (V. 36). Barmherzige Liebe ist eine hartnäckige Liebe, die treu bleibt, auch wenn sie nicht erwidert wird, die nicht versagt, auch wenn sie verraten wird. Das ist der Vater, wie Jesus bekräftigt. Die Söhne teilen seine Gefühle, besser noch, sie teilen sein Verhalten und beweisen so – zunächst sich selbst und dann den anderen -, dass sie wirklich Söhne sind. Mit einem Wort: Der Sohn gleicht dem Vater. Dieses Band der Verwandtschaft, das für die Augen nicht sichtbar ist, wird jedoch durch das Verhalten des Christen gegenüber den anderen sichtbar gemacht. Dies ist der Schlüssel zum Verständnis der von Jesus verwendeten Imperative und Vergleiche. Außerhalb dieses Beziehungshorizonts sind sie nicht einmal vorstellbar (auch weil sie nicht praktikabel sind).
weiß, wie man auch gegenüber den Undankbaren und Bösen wohlwollend ist.
Da der Mensch in einem dichten Netz von Beziehungen lebt, schlägt Jesus eine neue Art vor, diese zu regeln. Nicht mehr die Logik der Gleichheit von Geben und Nehmen, nicht mehr die Logik der Gegenseitigkeit, sondern die des Überschusses. Was zum Beispiel die Vergebung betrifft, so geht er weit über den Verzicht auf Rache hinaus. In Bezug auf den Feind schlägt Jesus nicht weniger als vier Haltungen vor: lieben, Gutes tun, segnen und beten. Der Feind ist also eine alltägliche Präsenz, d.h. nicht nur derjenige, der verfolgt, sondern auch derjenige, der Böses redet, der hasst, der seinen Nächsten schlecht behandelt. Kurz gesagt, der Feind steht vor unserer Haustür, vielleicht begegnen wir ihm auf der Straße, im selben Büro, wo wir arbeiten, um unser Brot zu verdienen. Die Imperative sind also Imperative des Überflusses. Vergleiche hingegen, wie die andere Wange hinzuhalten, den Waffenrock nicht abzulehnen … bestätigen eine neue Art, Beziehungen aufzubauen. Und in diesem Fall können wir von Unentgeltlichkeit sprechen. Vergleiche sind Vergleiche der Unentgeltlichkeit. Hier haben wir den Unterschied zwischen dem Heiden/Spekulanten und dem Jünger. Der Heide/Spekulant liebt diejenigen, die ihn lieben, gibt denen, die ihm etwas zurückgeben. Nicht so der Jünger des Evangeliums, der nach dem Bild des Meisters (und Jesus ist die lebendige Ikone des Vaters)
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster