16. Februar 2025
Sechster Sonntag
im Jahreskreis
Jahr C
Es darf nicht vergessen werden, dass die christliche Moral nicht von außen induziert wird und auch nicht werden kann, sondern von innen, aus der Beziehung zu Gott, erwächst.
DIE GEWISSHEIT EINER NEUEN WELT
Warum die Seligpreisungen? Der Grund für die Seligpreisungen ist ein einziger: In Jesus von Nazareth hat Gott sein Reich aufgerichtet. Ein Reich, das alle gängigen Werte über den Haufen geworfen hat, so dass Menschen, denen die Geschichte widerspricht und die leiden müssen, gesegnet sind. Aber die Seligpreisungen zeigen vor allem ein Gesicht, nämlich das von Jesus. Man könnte also sagen, dass Jesus, indem er den Jüngern diese Seite vorschlägt, sich selbst vorschlägt, das heißt, er schlägt eine Existenz vor, die auf das Reich Gottes ausgerichtet ist, wie er es von seiner Geburt bis zu seinem Tod war. Das Leben des Jüngers, seine Moral, beginnt also mit den Seligpreisungen:
- ist eine Moral der zwischenmenschlichen Beziehungen;
- ist eine Moral der Teilhabe an der Dynamik des eigenen Lebens Jesu;
- ist eine Moral der Angleichung an den Meister.
Das christliche Leben ist ein Leben der Gemeinschaft nach dem Bild der Dreifaltigkeit. Nur aus der Erfahrung der Gemeinschaft mit Gott, dem höchsten Gut, ergibt sich die Wahl der Werte. Man darf nie vergessen, dass die christliche Moral, die sogar so weit geht, den Feind zu lieben, nicht von außen durch irgendein Gesetz herbeigeführt wird und auch nicht werden kann, sondern von innen her entsteht, aus der Beziehung, wie wir gesagt haben, zu Gott. Deshalb ist die christliche Moral auch eine Moral der Teilhabe, das heißt, der Heilige Geist, ein aktives Prinzip im Leben der Dreifaltigkeit, wird zu einem aktiven Prinzip im Leben des Jüngers und damit der Kirche. Und nicht zuletzt ist es eine Moral der Anpassung – der Anpassung an Christus und das Evangelium. Man muss wissen, dass der Inhalt der Seligpreisungen am Ende eines langen Weges steht. Es gibt unverzichtbare Grundlagen, die ihnen vorausgehen und ohne die sie sich nicht bewähren könnten. Betrachten wir zwei von ihnen, von denen die eine mit dem Wort des Evangeliums und die andere mit den Sakramenten zu tun hat. Der heilige Leo der Große sagte in diesem Zusammenhang: „Wir werden zu dem, den wir (in seinem Wort) betrachten“ und „Wir verwandeln uns in den, den wir feiern“ (Sermones 63,7). Was ist damit gemeint? Dass es nicht genügt, sich an Christus zu orientieren, sondern dass es notwendig ist, sich ihm anzugleichen. Wie? Durch sein Wort (das Offenbarungs- und Aufführungscharakter hat) und die Sakramente (wirksame Zeichen seiner heilbringenden Gegenwart). Dieser Prozess wird in der östlichen Theologie Theosis oder Verklärung in Christus genannt. Der neue Mensch wird so zu dem Menschen der Seligpreisungen.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster