2. Februar 2025
Fest der Darstellung des Herrn
Jahr C
Die Episode der Darstellung Jesu im Tempel, die uns Lukas erzählt, stellt uns vor die Feier der Begegnung mit Christus.
„Der Greis trug das Kind, und das Kind stützte den Greis“: So besingt die Stundenliturgie in einer ihrer Antiphonen das Geheimnis der Begegnung zwischen Jesus und dem Greis Simeon im Tempel. Augustinus kommentiert: „Dieser Greis nahm das Wort Gottes, das zum Kind geworden war, in seine Hände […] Dieses Kind, das im Mutterleib so zerbrechlich war wie in den Händen des Greises, war gekommen, um uns Festigkeit zu geben, denn es ist der Urheber aller Dinge. Und in den Sermones setzt er das Paradox fort: „Er sah ihn als Kind, erkannte ihn aber als groß […] er nahm ihn auf, schon im Begriff, von ihm aufgenommen zu werden; er hielt Christus, den Menschen, aufrecht und wurde von Christus, dem Gott, getragen“. Versuchen wir, uns in die Gnade dieser Episode der Kindheit Jesu hineinzuversetzen, die uns Lukas erzählt (vgl. 2,22-38), und in das Fest, das sie feiert, die „Darstellung des Herrn“. Dieses Fest ist bekanntlich östlichen Ursprungs und gehört zu der Reihe von Ereignissen, die den Herrn als Messias offenbaren. Es wird „Hypapánte, Fest der Begegnung“ genannt: Durch die „unaussprechliche Herablassung Gottes“ wird das Jesuskind von Maria und Josef in den Tempel gebracht, in Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtung zur Reinigung der Mutter und zur Erlösung des Erstgeborenen. Hier findet die Begegnung zwischen dem „greisen Mann“ Simeon und dem „kindgewordenen Wort“ statt. In der byzantinischen Liturgie, die Poesie und Theologie in Texten von seltener Schönheit vereint, wird das Fest feierlich begangen, mit einem Tag der Vigil (Proeórtia) und sieben Tagen Nachfest (Metheórtia); der 3. Februar ist dem Gedenken an die Heiligen Simeon und Anna gewidmet. Aus dem Osten gelangte es dann nach Rom, wo der Schwerpunkt auf die Reinigung der Mutter gelegt wurde, die im Laufe der Jahrhunderte auch einen Bußcharakter annahm. Heute hat sich die Feier vollständig vom Bußcharakter befreit und ihre christologische Zentralität zurückgewonnen. Die Segnung der Kerzen und die Ermahnung, die der Prozession vorausgeht (im Osten bereits vorhanden), lassen keinen Zweifel daran, dass sie als Weg zur Begegnung mit Christus in der Eucharistie verstanden werden soll, die ihrerseits ein Zeichen für die endgültige eschatologische Begegnung ist. Seit 1997 hat die „Darstellung des Herrn“ nach dem Willen von Johannes Paul II. eine neue Bedeutung erhalten: In Erinnerung an die Geste von Maria und Josef, die prophetisch die Hingabe Jesu an den Vater für das Heil der Welt vorwegnimmt, wird jedes Jahr an diesem Datum der Tag des geweihten Lebens gefeiert. Den Ordensleuten, so betonte Johannes Paul II. damals, „ist die Aufgabe anvertraut, durch Wort und Beispiel den Vorrang des Absoluten vor jeder menschlichen Wirklichkeit zu verkünden“, und das in einer Welt, „die nicht selten den echten Sinn für Gott verloren zu haben scheint“.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster