19. Januar 2025

Zweiter Sonntag im Jahreskreis

Jahr C

In jedem Menschen steckt das dringende Bedürfnis, sich zu verändern, sich zu verwandeln. Mit der Menschwerdung hat diese Verwandlung stattgefunden und der Mensch wurde vergöttlicht.

KANA: DER BEGINN DES GLAUBENS

Jesus war ein großer Erzieher des Glaubens, und er liebte es, seine Gesprächspartner im Dialog zu bilden. Dies führte zu einer Begegnung, die frei von ideologischen oder religiösen Vorurteilen war. In seinen Begegnungen hat er Heilige und Sünder, Freunde und Feinde aufrichtig willkommen geheißen. Diese Offenheit hat Männer und Frauen zum Glauben geführt. Im Blick auf ihn lernt jeder Mensch auch, was es heißt, zu glauben, was in den Worten des Paulus gipfelt: „Dieses Leben, das ich im Fleisch lebe, lebe ich durch den Glauben an den Sohn Gottes“ (Gal 2,20). Der Genitiv, der hier im Griechischen verwendet wird, hat eine dreifache Bedeutung: Er spricht von Jesus als dem Objekt des Glaubens; von Jesus als dem Ursprung des Glaubens; von Jesus als dem glaubenden Subjekt. Aber Vorsicht: Es reicht nicht aus, dass der Jünger Jesus erkennt; es reicht nicht einmal aus, dass er das Geschenk des Glaubens annimmt. Er muss sich den Glauben des Meisters zu eigen machen. Nur so kann sein Glaube christlich werden.
Im vierten Evangelium finden wir nicht weniger als sieben Zeichen, die die Etappen bis zu diesem Bekenntnis beschreiben. Wir sagten Zeichen und nicht Wunder. Johannes verwendet in der Tat einen besonderen Begriff: sēmêia. Es sind Zeichen der Herrlichkeit Gottes in Jesus, und es sind auch Zeichen, die den Beginn des messianischen Heilszeitalters einläuten. Die Episode von Kana ist das erste dieser Zeichen, das letzte wird das des Lazarus sein. Warum aber stellt die Kirche dieses Evangelium an das Ende der Weihnachtsfeierlichkeiten und vor die gewöhnliche Zeit? So wie in Kana das Wasser in Wein verwandelt wurde, so hat Christus in seiner Menschwerdung die menschliche Natur verwandelt. Wir waren wie versteinerte Amphoren, mit stagnierendem Wasser, das das Leben nicht mehr nährte, den Durst nicht mehr löschte und die Fruchtbarkeit nicht mehr gewährleistete. Wenn es stimmt, dass die Amphoren sechs sind, ein Symbol der Unvollkommenheit, so ist es ebenso wahr, dass sie die Voraussetzung für die Sieben sind, die Zahl, die unsere Existenz zu erfüllen vermag. In Kana ist die Sieben, die auf die Sechs folgt, Jesus. Nur in ihm ist die heilige Zahl verwirklicht. Am Kreuz wird er in der Tat die siebte Amphore öffnen, und wenn er von der Lanze durchbohrt wird, werden Blut und Wasser, d.h. seine höchste Liebe (Blut) und der Heilige Geist (Wasser), aus seinem Herzen strömen.
Wir können die Episode von Kana mit den dionysischen Festen des antiken Griechenlands oder den römischen Bacchanalen vergleichen. Bei letzteren wurden in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar drei Amphoren in das Heiligtum des Dionysos gestellt. Am nächsten Tag wurden sie mit Wein gefüllt aufgefunden. In ähnlicher Weise wurde in Ägypten am 6. Januar das Fest des Gottes Aion aus der Jungfrau Kore gefeiert. Es wurde Wasser aus dem Nil geschöpft, das in Wein verwandelt werden sollte. Nun wissen wir nicht, wie sehr diese Feste das vierte Evangelium beeinflusst haben. Tatsache ist jedoch, dass Johannes will, dass wir verstehen, wer Jesus wirklich ist und was wir durch den Glauben an ihn geworden sind. In jedem Menschen steckt das dringende Bedürfnis, sich zu verändern, verwandelt zu werden. Mit der Menschwerdung hat diese Verwandlung stattgefunden, Wasser wurde zu Wein, das heißt, die menschliche Natur wurde von göttlichem Leben durchdrungen, und der Mensch wurde vergöttlicht. Sind wir uns dessen bewusst?

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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