12. Januar 2025

Fest der Taufe des Herren

Jahr C

Mit der Taufe stellt sich Jesus nicht als Messias neben seine Gemeinschaft, geschweige denn über sie, sondern mitten in sie hinein.

„UND DER GEIST KAM AUF IHN HERAB“

Am Jordan wird Jesus von Johannes dem Täufer getauft. Was hat das zu bedeuten? Ganz einfach: Jesus nimmt an der vom Vorläufer gepredigten Erneuerungsbewegung teil und zeigt damit, dass er seinen Weg als einen der Solidarität mit den Menschen versteht. Jesus wird also gewiss kein Messias an der Seite seiner Gemeinschaft sein, auch nicht über ihr, sondern mitten unter ihr. Die Herabkunft des Geistes und die erklingende Stimme zeigen auch, wer Jesus ist. Gewiss, er ist seinen Brüdern ähnlich, aber seine Identität und seine Sendung kommen von oben, von Gott und nicht von der Taufe des Johannes. Der Geist, der auf ihm ruht (epi), weist auch auf ein Ruhen durch Berührung hin. Diese Gegenwart verwandelt Jesus nicht (wie bei den Propheten), sondern offenbart, wer er ist; sie verändert seine Identität nicht, sondern macht sie transparent. Dann ertönt eine Stimme vom Himmel, wie wir gesagt haben. Die Tatsache, dass sie vom Himmel kommt, bedeutet nicht so sehr die Herkunft, sondern die Autorität. Es ist Gott, der Vater, der spricht. Es ist also eine unerwartete und unvorhersehbare Stimme: „Du bist mein Sohn, der Geliebte, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Lk 3,22). Der Ausdruck fasst zwei alttestamentliche Texte zusammen: Jes 42,1, der von der Erwählung des Knechtes JHWHs und seiner Mission unter den Völkern erzählt, und Psalm 2, ein Psalm der Inthronisierung, der uns deutlich macht, dass Jesus nicht nur der Knecht JHWHs ist, sondern vor allem der geliebte Sohn. An diesem Punkt wird die Gestalt Jesu erhellt, der nicht nur durch die alttestamentliche Offenbarung vorhergesagt wurde, sondern der Träger einer großen Neuheit ist. Die christologische Lesung des Ereignisses hebt auch die kirchliche Lesung hervor. Die Gegenwart der Kirche zeigt sich in der Gestalt des Gottesknechts, der zugleich Messias und Israel ist. Sie zeigt sich aber auch in den Grundelementen der christlichen Taufe: die göttliche Abstammung, die Gabe des weihenden und offenbarenden Geistes und nicht zuletzt die Mission. Dies sind die drei Elemente der Taufe Christi und des Christen.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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