17. November 2024

Dreiunddreißigster Sonntag
im Jahreskreis

Jahr B

Die Anstrengung des Gläubigen beim Hören des Wortes wird gerade darin bestehen, denjenigen zu erkennen und aufzunehmen, der spricht, die Offenbarung Gottes, den Logos tou Theou.

MEINE WORTE WERDEN NICHT VERGEHEN

An diesem Sonntag wollen wir unsere Überlegungen auf die Aussage Jesu: „Meine Worte werden nicht vergehen“ (Mk 13,31) konzentrieren, um uns zu fragen: Was ist das Wort Gottes? Jesaja hat ein wirkungsvolles Bild, um gleichzeitig die Allmacht und die Armut des Wortes zu beschreiben: „Aus dem Staub wird dein Wort erklingen wie ein Flüstern“ (Jes 29,4). Das Wort wird in aller Stille aus dem Staub der Erde geboren und erklingt wie ein „Flüstern“; es taucht sogar aus der extremen Negativität des Schmerzes und des Todes auf (so ist das Symbol des Staubs im alten Osten), und doch wird es in „Feuer“ (vgl. Jer 23,29), in „Honig aus Fels“ (vgl. Ps 19,11) und in „Leuchte, die erleuchtet“ (vgl. Ps 118,105) verwandelt. Dies sind einige der zahllosen Metaphern, die im großen Kodex der Heiligen Schrift das Wort Gottes beschreiben. Das Wort – so hat der deutsche Philosoph J. G. Hamann festgestellt – offenbart so die gegensätzliche Größe der göttlichen Gegensätze, ohne einen von ihnen auszublenden; es ist zugleich Armut und Pracht, Augenblick und Ewigkeit, Transzendenz und Immanenz.
Der hebräische Begriff dabar, den wir mit „Wort“ übersetzen, bezeichnet etymologisch gesehen das res, die tiefe Seele aller Wirklichkeit, das, was sie sein lässt, was sie existieren lässt, was aber gleichzeitig verborgen, versteckt, wie zugedeckt bleibt. Wenn Gott sein Wort ausspricht, dann bringt er vor allem das zum Vorschein und zur Wirkung, was hinter und in den Dingen liegt; er enthüllt ihr Gesicht, ihre Berufung, ihre Identität im Wunder der kontinuierlichen Schöpfung. Enzo Bianchi bemerkt: „Deshalb erfüllt das Wort Gottes das Universum, weil es der Wille ist, der in alles eingeschrieben ist, weil es die einzige Quelle von allem ist, was lebt. Im Wort Gottes entstehen wir, leben wir, bewegen wir uns und sind wir, weil es alles leitet und in allem auftaucht; und wenn wir seine Stimme hören und den Schleier entfernen, entdecken wir die wahre und tiefe Wirklichkeit und finden uns plötzlich vor dem Urheber der Dinge wieder, der mit uns kommuniziert“. Im Neuen Testament ist der Begriff für das Wort logos. In der griechisch-hellenistischen Kultur erinnert der logos an die Idee der Einheit, das Prinzip der Erkenntnis, das Gesetz des Kosmos, das sich im Bewusstsein des Menschen widerspiegelt. Johannes spricht jedoch vom göttlichen Logos (vgl. Joh 1,1-18) als der höchsten Erscheinungsform Gottes. Der Logos ist nicht nur die Hypostase einer göttlichen Eigenschaft oder eines göttlichen Attributs, sondern er ist Jesus Christus, der eingeborene Sohn des Vaters, der einzige, der den Menschen von Gott erzählen kann (vgl. Joh 1,18). Für den Evangelisten ist der Logos also der Ursprung von allem (vgl. Joh 1,3), der Grund von allem, das, was alles trägt: die anima mundi. Deshalb haben die Menschen nur im Logos die Intelligenz (intus-legere), um die Wirklichkeit zu begreifen und sich gegenseitig zu verstehen. Der Logos ist das große vereinigende Zentrum von allem, in dem alles zusammenläuft und sich erfüllt. Das Bemühen des Gläubigen im Hören auf das Wort wird gerade darin bestehen, in der Vermittlung der Schrift denjenigen zu erkennen und aufzunehmen, der spricht (vgl. Hebr 12,25), die Offenbarung Gottes, den Logos tou Theou. In diesem Horizont findet die Zusage Jesu, dass seine Worte niemals vergehen werden, ihre Wahrheit.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

Pin It on Pinterest

Share This

Questo sito utilizza i cookie per fornire la migliore esperienza di navigazione possibile. Non utilizza cookie per finalità commerciali né fornisce a terzi le informazioni sugli utenti. Continuando a utilizzare questo sito senza modificare le impostazioni dei cookie o cliccando su "Accetta" permetti il loro utilizzo. Per saperne di più sui cookie, clicca su maggiori informazioni

Questo sito utilizza i cookie per fornire la migliore esperienza di navigazione possibile. Continuando a utilizzare questo sito senza modificare le impostazioni dei cookie o cliccando su "Accetta" permetti il loro utilizzo.

Chiudi