1. September 2024

Zweiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

Jahr B

Das eigene Herz müssen wir vor Heuchelei hüten, weil aus diesem Zentrum das Gute und das Böse hervorgehen.

DYNAMIK VON GESETZ UND ÜBERLIEFERUNG

Treue ist nicht versteinert, sondern dynamisch.

Gianfranco Ravasi

 

Warum haben deine Jünger die Überlieferungen der Alten vernachlässigt? Das fragen die Schriftgelehrten und die Pharisäer Jesus. Eine davon ist die Regel Netilat Yadayim (Händewaschen). Jesus antwortet verärgert und polemisch. Er beruft sich zunächst auf die Autorität des Propheten Jesaja (29,13), um ihre Heuchelei zu entlarven. Die Schriftgelehrten und Pharisäer missachteten die Gebote Gottes, um ihre Traditionen aufrechtzuerhalten. Sie zogen ihre eigene Überlieferungen, die nicht immer eine Glaubensgrundlage haben, sondern nur eine kulturelle Grundlage, dem Wort der Thora vor. Aber die rein formalisierte Gottesverehrung, die das Herz nicht mit einbezieht, ist ein mendacium, eine Heuchelei. Der Heuchler war bekanntlich der Name des Chorleiters im griechischen Theater, desjenigen, der sich über alles erhob. Heuchelei verrät also den Wunsch, sich zu überheben. Der Bibel zufolge leitet sich der Begriff höchstwahrscheinlich vom aramäischen hanefa ab, was so viel wie „pervers“ und „gottlos“ bedeutet. Der Heuchler ist also mehr als ein Mensch, dessen Handlungen nicht mit seinem Denken übereinstimmen; er ist ein Gottloser, ein Blinder, dem ein gestörtes und entartetes Urteilsvermögen innewohnt und der fähig ist, Böses zu tun. Es ist daher notwendig, das eigene Herz zu hüten, denn aus diesem Zentrum kommen das Gute und das Böse hervor. Damit leugnet Jesus nicht den Wert der religiösen Praktiken. Er selbst war sehr fromm. Aber er will nicht, dass sie zum formalen Selbstzweck werden, sondern dass sie Ausdruck der aufrichtigen Suche nach dem Willen Gottes sind. In Apg 1,24 schreibt Lukas, dass Gott das Herz kennt und daher die Aufrichtigkeit und die Schlechtigkeit sieht, die darin vor sich gehen. Natürlich muss das Herz erzogen, aufgeklärt, geheilt werden. Aber auf welche Weise? In der zweiten Lesung heißt es dazu: durch das Hören des Wortes des Lebens, das heißt des Evangeliums von Jesus Christus.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, 
Abtei Kornelimünster

Pin It on Pinterest

Share This

Questo sito utilizza i cookie per fornire la migliore esperienza di navigazione possibile. Non utilizza cookie per finalità commerciali né fornisce a terzi le informazioni sugli utenti. Continuando a utilizzare questo sito senza modificare le impostazioni dei cookie o cliccando su "Accetta" permetti il loro utilizzo. Per saperne di più sui cookie, clicca su maggiori informazioni

Questo sito utilizza i cookie per fornire la migliore esperienza di navigazione possibile. Continuando a utilizzare questo sito senza modificare le impostazioni dei cookie o cliccando su "Accetta" permetti il loro utilizzo.

Chiudi