7. April 2024

Zweiter Sonntag der Osterzeit (Weißer Sonntag)

Nachdem sie die Wunden im Fleisch Christi gesehen haben, bekennen die Apostel seine Auferste-hung. Das ist die gute Nachricht, die wir bis an die Enden der Welt bringen wollen.

ZEICHEN DES BUNDES

Der von den Toten auferstandene Christus lässt die durch Wasser und Blut Wiedergeborenen nicht im Stich (vgl. 1 Joh 5,6), sondern ist beständig mit ihnen. Seine Gegenwart ist im Leben der Jünger selbst spürbar und wird auch in ihren persönlichen und gemeinschaftlichen Entscheidungen sowie in den Zeichen des Wortes, der Eucharistie und der Nächstenliebe auf geheimnisvolle und reale Weise wahrgenommen. Nach dem heutigen Evangelium befreit das Kommen Jesu die Jünger von der Angst und verkündet ihnen den Sieg über den Tod. Wir möchten jedoch bei einer seiner Gesten innehalten. Johannes schreibt, dass „er ihnen seine Hände und seine Seite zeigte“ (Joh 20,20). Was bedeutet dies? Sicherlich soll damit die Kontinuität zwischen dem Gekreuzigten und dem Aufer-standenen betont werden. Nur? Gehen wir näher darauf ein. Es ist bekannt, dass in der Antike häu-fig Pakte zwischen zwei Personen geschlossen wurden (z. B. zwischen David und Jonathan). Wenn sich die beiden Vertragsparteien trafen, war es üblich, dass sie ihre rechte Hand mit der Handfläche nach vorne erhoben, um das sogenannte Bundeszeichen zu zeigen. Dieses Zeichen wurde durch Einritzen der Handfläche mit einem Messer vollzogen. Anschließend wurde die Hand mit Asche eingerieben, damit die Wunde heilte, die dann als dauerhaftes Zeichen des geschlossenen Bündnis-ses blieb. Wenn man also die Handfläche vor seinem Partner anhob, wurde die Verantwortung für den Pakt bestätigt. Als wollte man sagen: „Ich erinnere mich an das, was wir einander versprochen haben, und ich werde in der Treue nicht versagen“. Hier sehen wir das Zeichen des Bundes auf den Händen des auferstandenen Jesus. Interessant ist, dass die meisten Wunden der Geißelung und der Kreuzigung bei seiner Auferstehung verschwunden sind. In den Evangelien werden keine Narben an seinem Kopf oder Gesicht beschrieben. Doch die Löcher in seinen Händen sind immer noch sichtbar. Während er in der Herrlichkeit des Vaters ist, sind diese Male an seinen Händen das ewi-ge Gedenken an seinen Bund. Dies ermöglicht es auch uns, unsere Hände zum Himmel zu erheben (vgl. 1 Tim 2,8) und in einem neuen Leben zu wandeln, dank des Herrn, der uns durch seine Wundmale geheiligt und erlöst hat. Im Hymnus der Laudes für Apostelfeste in der Osterzeit finden wir diese bedeutsame Strophe: Ostensa sibi vulnera / in Christi carne fulgida, / resurrexisse Domi-num / voce fatentur pubblica. – „Nachdem die Apostel die Wunden an Christi Fleisch gesehen ha-ben, die er ihnen gezeigt hat, bekennen sie mutig seine Auferstehung.“ Das ist die gute Nachricht, die wir bis ans Ende der Welt bringen wollen.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, 
Abtei Kornelimünster

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