7. Januar 2024
Taufe des Herrn
In der Taufe lässt sich Jesus durch den Willen des Vaters formen.
Jes 55,1-11; 1Joh 5,1-9; Mk 1,7-11
Die Episode der Taufe im Jordan führt uns einen ersten Auftritt des Erwachsenen Jesu vor Augen. Die Szene wird von Markus auf sehr einfache Weise dargestellt. Zunächst weist er darauf hin, dass Jesus aus Nazareth kommt, also aus dem Norden. Galiläa war die Provinz, die in religiöser Hin-sicht weniger streng, in sozialer Hinsicht stärker unterdrückt und in politischer Hinsicht unruhiger war. Markus stellt auch fest, dass Jesus sich von Johannes taufen lässt. Was hat das zu bedeuten? Ganz einfach: Der Meister lässt sich vom Willen des Vaters formen, lässt Gott seine Bestimmung sein. Aber welche Bedeutung hat seine Taufe? Wenn für die Menschen seiner Zeit die Bußtaufe ei-nen Bruch mit der Vergangenheit (der Sünde) bedeutete, so ist sie für Jesus ein vorwegnehmendes Zeichen (seines Todes). Es ist kein Zufall, dass er von seinem Leiden und Sterben als Taufe spricht (vgl. Mk 10,38). Indem Jesus die Taufe des Johannes annimmt, will er vor allem seine Bereitschaft bekunden, sich bis zum Ende hinzugeben (vgl. Joh 13,1). Seine Taufe ist also eine prophetische Geste. Unmittelbar danach hat sich die göttliche Welt, um einen dantischen Syllogismus zu ge-brauchen, „aufgerichtet“ und seine Wahl bestätigt. Der Bereitschaft Jesu, sich ganz und gar auf den Plan des Vaters einzulassen (was durch sein Herabsteigen und Aufsteigen aus dem Wasser zum Ausdruck kommt), entspricht eine weitere Herabkunft, nämlich die des Geistes, der ständig auf ihm ruht. Die Liebe zieht die Liebe an. Wir möchten diesen Text mit der Taufe Christi (um 1500) von Giovanni Bellini, dem großen venezianischen Meister des Lichts und dem Vorläufer des Tona-lismus, in Verbindung bringen. Das Werk, das in der Chiesa di Santa Corona (Vicenza, Italien) zu sehen ist, verbindet die Taufe mit der Auferstehung in einem wunderbaren Landschaftshintergrund, der die neue Schöpfung widerspiegelt, die durch das Osterfest Christi eingeleitet wird.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster