27. August 2023

21. Sonntag
im Jahreskreis

Jahr A

Christus fordert auch heute noch unser Gewissen heraus, damit wir seine Zeugen unter den Menschen unserer Zeit sein können.

Wer ist Jesus?

Rudolf Bultmann schrieb: „Von Jesus wissen wir nicht das Wie, wir wissen nicht das Was, wir wissen nur, dass es ein Wer war“. Was ist damit gemeint? Dass wir von Jesus nichts darüber wissen, wie er gelebt hat; ja, es gibt die Berichte der Evangelien, aber die erzählen nicht alles und sind von theologischen Instanzen bestimmt. Von Jesus wissen wir nicht einmal, wer er war, denn sein Geheimnis entzieht sich uns. Von Jesus gibt es nur ein Was, d.h. ein minimales wesentliches Datum. Bultmann interessierte sich nicht so sehr für den historischen Jesus, für ihn stand das Kerygma, also die Verkündigung von Jesus, der gestorben und auferstanden ist, am Anfang. Sind wir mit Bultmann einverstanden? Es gibt außerbiblische Zeugnisse über Jesus. Plinius der Jüngere zum Beispiel schreibt einen Brief an Trajan (111/113), in dem er fragt, wie er sich gegenüber den Christen verhalten solle, die sich in der Morgendämmerung versammeln, um Christus wie einen Gott zu besingen und sich mit einem sacramentum, d. h. einem Schwur, niemandem zu schaden, aneinander binden. In Buch XV der Annalen von Tacitus (115/120) heißt es über den berühmten Brand Roms im Jahr 64 unter Nero: „Nero erklärte diejenigen für schuldig und verurteilte sie zu den grausamsten Qualen, die das gemeine Volk Christen nennt, benannt nach Christus, den der römische Prokurator Pontius Pilatus unter Kaiser Tiberius zum Tode verurteilt hatte“. Eine weitere Quelle ist Sueton, der in seinem Leben des Claudius berichtet, dass der Kaiser „die Juden, die auf Betreiben von Crestus ständig randalierten“ (wobei der Vokal i oft durch e ersetzt wird), aus Rom vertrieb. Wichtig ist auch das Testimonium des Flavius Josephus, eines pro-römischen jüdischen Historikers, in dem er von Christus spricht. Schließlich berichtet sogar der babylonische Talmud über den Tod Jesu; Jesus wurde dieser jüdischen Quelle zufolge wegen Magie (Wunder) verurteilt. Und so könnte man weitermachen. Die Gestalt Jesu hat im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Fragen aufgeworfen und Beunruhigung ausgelöst. Ich möchte hier zwei große russische Persönlichkeiten mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen erwähnen. Der erste ist Fjodor Dostojewski (1821-1881), den wir schon mehrfach zitiert haben und der schrieb: „Es gibt nichts Schöneres, Tiefgründigeres, Vernünftigeres, Mutigeres und Vollkommeneres als Christus“. Der zweite ist Alexander Blok (1880-1921), der alles getan hat, um Christus zu meiden, aber trotzdem zugeben muss: Warum Christus? Wirklich Christus? Aber je sorgfältiger ich mich umsah, desto deutlicher sah ich Christus. Ich vermerkte dann in meinem Tagebuch: Leider Christus. In der Tat leider Christus. Und was ist mit uns? Wer ist Christus für uns? Wie stehen wir zu seiner Frage, die auf der heutigen Seite des Evangeliums erklingt?

Kommentar von b. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

Pin It on Pinterest

Share This

Questo sito utilizza i cookie per fornire la migliore esperienza di navigazione possibile. Non utilizza cookie per finalità commerciali né fornisce a terzi le informazioni sugli utenti. Continuando a utilizzare questo sito senza modificare le impostazioni dei cookie o cliccando su "Accetta" permetti il loro utilizzo. Per saperne di più sui cookie, clicca su maggiori informazioni

Questo sito utilizza i cookie per fornire la migliore esperienza di navigazione possibile. Continuando a utilizzare questo sito senza modificare le impostazioni dei cookie o cliccando su "Accetta" permetti il loro utilizzo.

Chiudi