20. August 2023

20. Sonntag
im Jahreskreis

Jahr A

Gottes Plan umfasst jeden Menschen und treibt die gläubige Gemeinschaft an, die Universalität ihrer Sendung zu leben.

Ein Meister, der weiss, wie man lernt

Das Thema der heutigen Liturgie ist die Universalität des Heils. Jesaja sagt, dass auch die Fremden im Haus Gottes mit Freude erfüllt sein werden (vgl. erste Lesung), während Jesus den Glauben einer heidnischen Frau, der Kanaaniterin, lobt (vgl. Evangelium). Schließlich feiert Paulus in Röm 11, wo er sich mit dem Knoten der Judenfrage befasst, wenn auch indirekt, den universalen Heilsplan, der sich von Abraham an auf alle Völker der Erde erstreckt. Der Weg dorthin ist jedoch weder einfach noch selbstverständlich; vielmehr muss man einige Probleme überwinden. Jesaja, der den Tempel als Heimat der Völker voraussieht, fordert die Einhaltung des Sabbats, d. h. die Wahrung des Glaubenserbes Israels. Jesus selbst hält sich in seinem Dialog mit der kanaanäischen Frau an den jüdischen Kanon. Das Heil wird zuerst den Kindern (den Juden) und dann den kleinen Hunden (den Heiden) angeboten. Paulus, der so weit geht zu sagen, dass Christus der Knecht der Beschnittenen ist (vgl. Röm 15,8), erkennt an, dass die Wurzel, die die Kirche trägt, jüdisch ist (vgl. Röm 11, das Bild des Ölbaums). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kirche einerseits in ihren Wurzeln verankert bleiben und gleichzeitig für jedes Geschöpf ohne Unterscheidung von Kultur, Rasse oder Religion offen sein muss, das heißt, sie muss sich den universalen Heilsplan zu eigen machen, ohne der Versuchung nachzugeben, ihre eigenen Werte im Namen eines undifferenzierten Synkretismus zu verleugnen.
Das Evangelium stellt uns zwei unterschiedliche kulturelle und religiöse Welten vor Augen. Da ist eine Frau, Griechin der Sprache nach, Syrophönizierin der Herkunft nach und Nachfahrin jener Völker, die Kanaan von alters her bewohnten. Und dann ist da noch Jesus, der auf den Straßen von Judäa und Galiläa das Kommen des Reiches verkündet. Aber wenn wir uns die beiden Hauptfiguren genauer ansehen, entdecken wir weitere interessante Elemente. Die Frau ist in erster Linie eine verzweifelte Mutter, ihr Kind ist schwer krank. Wenn eine Mutter um ihr Kind leidet, ist sie bereit, alles zu tun, auch wenn Jesus ein Fremder ist, noch dazu ein Jude: Sie versucht alles, um ihre Tochter zu retten. Sie ist jedoch keine ahnungslose Frau, wenn sie Jesus mit dem Titel „Sohn Davids“ anredet, und zeigt sich in der verwobenen Erzählung entschlossen und mutig. Sie fürchtet sich auch nicht vor dem Schweigen des Meisters. Aber, und das ist wirklich unglaublich, diese heidnische Frau hat Jesus etwas zu lehren: die Universalität seiner Mission. Ja, diese Frau hilft Jesus, sanft, aber bestimmt, sich nicht hinter ethnischen oder theologischen Schranken zu verschließen, denn er ist für alle gekommen, niemanden ausgeschlossen, auch nicht für die (heidnischen) Hündchen. Die kanaanäische Frau verlangt nichts, nicht mehr als Brosamen. Aber da sie weiß, dass diese ihr gehören, will sie sie, und zwar mit Entschlossenheit. Jesus wird bewundert und bekräftigt, dass sein Glaube groß ist, im Gegensatz zu dem der Jünger, der klein ist (vgl. Mt 8,26). Wegen dieses Glaubens werden viele aus Ost und West kommen und sich an den Tisch Gottes setzen, um das Brot des Reiches Gottes zu essen (vgl. Mt 8,11; Lk 14,15).

Kommentar von b. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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