6. August 2023

18. Sonntag
im Jahreskreis

Jahr A

Das Taborlicht nährt unseren Glauben, den letzten Sinn unserer Tage, die Hoffnung in der Mühsal der gegenwärtigen Stunde.

ES IST GUT FÜR UNS, HIER ZU SEIN

„Meister, es ist gut, dass wir hier sind“ (Mt 17,4), ruft Petrus voller Staunen und Verwunderung aus. Diese Aussage lässt uns verstehen, wie der Jünger Christi von Schönheit geprägt ist. Nicht zufällig wird es derselbe Apostel sein, der in seinem ersten Brief die Christen ermahnt, unter den Heiden ein schönes Verhalten an den Tag zu legen, d. h. ein Verhalten, das offen ist für die Gemeinschaft, jene Gemeinschaft, die auf dem Berg der Verklärung erscheint, wenn Mose und Elia zusammen mit Jesus erscheinen und sich untereinander unterhalten. Und wenn die Schönheit eine Verheißung des Glücks ist, verstehen wir, wie jede kleine Geste, jedes Wort, jede Handlung, die von ihrem Licht inspiriert ist, eine Prophezeiung einer neuen Welt ist. So wird die Schönheit zur Verkündigung des Heils: Die Schönheit wird die Welt retten, heißt es wenig überraschend in Dostojewskis Roman Der Idiot.

Fragen wir uns also: Was haben wir aus der Schönheit gemacht? Aus jener Schönheit, die in unseren Beziehungen zu etablieren ist und die man Unentgeltlichkeit, Barmherzigkeit und Vergebung nennt? Was haben wir mit der Schönheit gemacht, die unsere Gemeinschaften beleben muss, damit sie ein Ort der Ausstrahlung und damit der Wahrheit und nicht der Lüge sind, ein Ort der Freiheit und nicht der Angst, eine Bruderschaft, in der sich jeder Mensch willkommen und gewollt, geachtet und geliebt fühlt? Was haben wir mit der Schönheit gemacht, die unser Leben durchdringen und zur Überwindung von Spaltung in Einheit, von Frieden in zerbrochenen Beziehungen, von Gelassenheit dort, wo täglich Spannung herrscht, führen sollte? Was haben wir mit der Schönheit gemacht? Was haben wir mit Christus und seinem Evangelium gemacht?

Die Schönheit, die vom Tabor ausstrahlt, ist nicht so sehr ein Ereignis des Lichts, sondern ein Ereignis der Liebe, das von Christus ausgeht; ein Ereignis, das immer wieder die tragische Schönheit der Liebe erzählt, mit der Gott uns geliebt hat, bis hin zur Übergabe seines Sohnes am Kreuz. Und so wollen wir uns von dieser Liebe erreichen lassen, wollen wir die Einladung des Vaters annehmen, auf diesen Sohn zu hören, der noch heute für uns die Geste seiner Selbsthingabe wiederholt: „Nehmt und esst, das ist mein Leib für euch“. Eine noch nie dagewesene Geste, die im Laufe der Geschichte heftige Ablehnung und leidenschaftliche Liebe bis hin zum Martyrium hervorgerufen hat. Wenn Miller im Wendekreis des Krebses so weit geht, das Kreuz Christi auf die Sohlen seiner Schuhe gravieren zu lassen, um bei jedem Schritt darauf treten zu können, zögert ein Genie wie Dostojewski nicht, dieses Paradox zu bestätigen: „Wenn mir jemand beweisen würde, dass Christus außerhalb der Wahrheit steht… nun, ich würde lieber bei Christus bleiben als bei der Wahrheit“. In der unruhigen Zeit, die wir sowohl auf kirchlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene durchleben, sollten wir unseren Blick auf Christus richten, den Anker unseres Glaubens, den letzten Sinn unserer Tage und die sichere Hoffnung.

Kommentar von b. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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