16. Juli 2023
Fünfzehnter Sonntag
im Jahreskreis
Anno A
Am Ende wird das Reich Gottes in Fülle kommen. Neben der Hoffnung, die nicht enttäuscht, muss der Jünger auch Glauben haben und geduldig warten können.
Der Gute Boden
Im Zentrum dieses 15. Sonntags im Jahreskreis steht das Wort Gottes. Ein wirksames und fruchtbares Wort (vgl. erste Lesung), das aber gleichzeitig einen Boden braucht, auf dem es seine Früchte tragen kann (vgl. Evangelium).
Der Abschnitt in Matthäus 13,1-23 kann in drei Teile unterteilt werden: V. 3-9 das Gleichnis vom Sämann; V. 10-17 der Zweck der Gleichnisse; V. 18-23 die Erklärung des Gleichnisses vom Sämann.
Wenn man den Sämann beobachtet, wie er zur Aussaat hinausgeht, stellt sich spontan die Frage: Warum so viel Verschwendung? Dazu muss man wissen, dass es damals üblich war, auf Böden zu säen, die den ganzen Sommer über brach lagen und natürlich von Hirten, Herden und dergleichen durchquert wurden. Nach der Aussaat, und nicht vorher, wurde die Saat in den Boden gepflügt. Der Bauer hat also alle ihm zur Verfügung stehenden Flächen besät, ohne zu wissen, welcher Boden fruchtbar ist. Das führt dazu, dass die Saat in flache Böden fällt oder dort, wo Disteln und Dornen wachsen können. Aber irgendwo sollte der gute Boden die erhoffte Frucht tragen. Schauen wir uns nun die Entwicklung innerhalb des Gleichnisses an. Es gibt vier Momente; die ersten drei entsprechen den drei Entwicklungsstadien des Samens, der zuerst in die Erde fällt (V. 4), dann keimt (V. 5-6) und schließlich wächst (V. 7). Das vierte Moment markiert die Reife oder Frucht (V. 8). In den ersten drei Momenten gibt es verschiedene Schwierigkeiten (Vögel, Felsen, Dornen), die den Samen gefährden, im vierten hingegen wird alles glücklich überwunden. Was will Jesus mit diesem Gleichnis sagen? Bei seiner Verkündigung gab es Schwierigkeiten und Hindernisse, und für viele, die ihm gefolgt sind, sind die Hoffnungen schwächer geworden. Was Jesus verspricht, scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Die Aufforderung lautet also, zu hoffen. Schließlich wird das Reich Gottes in Fülle kommen und alle werden die Wahrheit der Lehre des Evangeliums erkennen. Neben der Hoffnung, die nicht enttäuscht, muss der Jünger auch Glauben haben und geduldig warten können.
Kommentar von b. Sandro Carotta, osb Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster