23. April 2023
Dritter Sonntag der Osterzeit
Jahr A
Das Kreuz ist ein Weg der Liebe und nicht der Selbsterhaltung; es ist ein Weg des Eigensinns, weil die Liebe, auch wenn sie verachtet wird, nicht versagt.
Du gehst neben mir, Herr.
Footprint hinterlässt Deine Fußspuren nicht auf dem Boden.
Ich sehe Dich nicht:
Ich fühle und atme Deine Gegenwart
in jedem Atom der Luft, die mich nährt.
Ada Negri
Auf dem Weg nach Emmaus gehen zwei Jünger mit traurigem Gesicht (vgl. Lk 24,17). Der Prophet von Nazareth hatte sie einst besiegt, doch sein Tod, noch dazu am Kreuz, hat all ihre Träume von Erlösung zunichtegemacht. Aber auch Gott hat nicht eingegriffen. Die Enttäuschung ist also eine doppelte: Politisch steht der römische Fuß immer noch auf Israel, und theologisch hat Gott Jesus nicht als seinen Messias anerkannt. Zwischen dem mächtigen Propheten und dem Gekreuzigten gibt es also keine Kontinuität, sondern einen Bruch. Jesus also, der geheimnisvolle Wanderer, liest seine Geschichte im Licht der Heiligen Schrift neu. Um das Geheimnis des Kreuzes zu verstehen, aus dem neues Leben erwächst, muss man also von der Offenbarung ausgehen. Das Kreuz ist ein Weg der Liebe und nicht der Selbsterhaltung; es ist ein Weg des Eigensinns, weil die Liebe, auch wenn sie verachtet wird, nicht versagt. Natürlich ist es auch ein Weg der Schwäche, aber einer, der triumphiert. Denn der Gekreuzigte ist auferstanden. Wenn die Menschen den Gekreuzigten für einen Betrüger hielten, so hat Gott ihn andererseits anerkannt und ihn zu seiner Herrlichkeit erhoben. Das Osterereignis wird so zum Kriterium für die Deutung der Geschichte. Eine letzte Bemerkung. Für Lukas bewirkt das Auferstehungsereignis eine Öffnung der Schrift (Lk 24,32), des Geistes (Lk 24,45), des Herzens (Lk 16,14) und der Augen (Lk 24,31). Das Osterlicht erhellt den ganzen Menschen. Die Welt wird plötzlich umgangssprachlich und freundlich, bevölkert von Gesichtern und Stimmen. In der Gegenwart des Auferstandenen zu erwachen, bedeutet, das Bewusstsein wiederzuerlangen, zusammen mit den Dingen neu geboren zu werden (cum nascentia). „Christus wurde in der Nacht geboren“, schreibt Bonhoeffer, „ein Licht in der Finsternis; der Mittag wurde zur Nacht, als Christus litt und am Kreuz starb; aber am Ostermorgen ging Christus siegreich aus dem Grab hervor“.
Kommentar von b. Sandro Carotta, osb Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster