26. März 2023

Fünfter Fastensonntag

Jahr A

Der Tod, der wahre Tod, ist die Trennung von Gott. Für diejenigen, die aus der Knechtschaft der Sünde herausgekommen sind, hat das Leben kein Ende, denn sie genießen die Fülle des neuen Lebens, den Heiligen Geist.

Das Evangelium dieses letzten Sonntags der Fastenzeit ist von großer theologischer und anthropologischer Intensität. Johannes lädt uns zunächst ein, die Herrlichkeit Gottes in der Verderbnis des Grabes zu erkennen (vgl. Joh 11,1-17); dann wendet sich unser Blick der Furche zu, aus der neues Leben sprießt (vgl. Joh 11,18-27); darauf folgt ein großes Geheimnis: die Tränen Gottes auf dem Antlitz Jesu (vgl. Joh 11,28-38); schließlich werden die Verbindung zwischen Jesus und dem Vater und die Macht des Wortes des Menschensohns deutlich (vgl. Joh 11,39-45). Johannes stellt zunächst die drei Geschwister von Bethanien vor: Lazarus, Maria und Martha. Diese Darstellung hat eine deutliche Parallele (im griechischen Text ist sie deutlicher) zur Berufung des Philippus und der Erwähnung von Andreas und Petrus (vgl. Joh 1,44). Wenn von Lazarus gesagt wird, dass er aus Bethanien stammte, und dann gleich die beiden Schwestern erwähnt werden, heißt es von Philippus stattdessen, dass er aus Bethsaida, der Stadt von Andreas und Petrus, stammte. Die beiden waren Brüder (vgl. Joh 1,40). Warum ist diese Parallele, die auf den ersten Blick keinerlei Berührungspunkte zu haben scheint, so bedeutsam? Einfach, weil wir mit der Auferstehung (oder besser gesagt der Wiederbelebung) des Lazarus begreifen, wie sehr das Handeln Jesu diejenigen erreicht, die seine Jünger geworden sind. Die Nachfolge führt zur Überwindung des Todes (vgl. Joh 8,51). Als Martha und Maria Jesus mitteilen, dass Lazarus krank ist, antwortet Jesus etwas rätselhaft, indem er erklärt, dass die Krankheit nicht zum Tod führen wird, sondern dass durch sie der Sohn Gottes verherrlicht wird (vgl. Joh 11,4). Was bedeutet das? Jesus will dies bekräftigen: Wer mir seine Treue geschenkt hat, indem er mir nachfolgt, der ist bereits vom Tod zum Leben übergegangen. Für diejenigen, die aus der Knechtschaft der Sünde herausgekommen sind, hat das Leben kein Ende, denn sie genießen die Fülle des neuen Lebens, den Heiligen Geist. Deshalb wird der Tod von Lazarus vom Meister als ein Schlaf interpretiert werden. Dies ist kein Euphemismus, sondern eine neue Lesart des Todes. Der Tod, der wirkliche, ist die Trennung von Gott; das natürliche Sterben ein Schlaf. Ein Schlaf, der es Gott erlaubt, wie T. De Chardin schrieb, uns endgültig zu durchdringen und uns mit ihm zu assimilieren. Der Tod hat die Aufgabe, diesen notwendigen Durchbruch bis in unser Innerstes hinein zu praktizieren.

Kommentar von b. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster

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