5. Juni 2022
Pfingsten
Jahr C
Im Bewusstsein unserer besonderen Berufung als Christen soll der Heilige Geist in uns wirksam werden und in die Welt hinausstrahlen.
Der Apostel Paulus hilft uns, uns bewusst zu machen, was es bedeutet, die Gabe des Heiligen Geistes empfangen zu haben, die der Herr vom Vater für uns erbeten hat: „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll“. Der Geist ist unser Beistand – so hat Jesus ihn genannt, der bezeugt, dass wir Gottes Kinder sind. Der Geist ist unser Fürsprecher – auch das kann der griechische Begriff paráklētos bedeuten – und durch ihn können wir in jeder Situation aus der Tiefe unserer Unfreiheit rufen: Abba, Vater! Ein solches Geschenk kann nicht für sich selbst behalten werden, sondern verlangt danach, als schönste und kostbarste Gabe mit allen geteilt zu werden. Die Freiheit, die unserem Glauben eigen ist, erlaubt es uns, jedem Menschen authentisch in der Liebe zu begegnen, die die Angst vertreibt und die nichts verlieren kann, weil sie alles als Geschenk erhalten hat. Die Verheißung, die der Herr Jesus seinen Jüngern am Vorabend seines Leidens macht, hallt in ihrer ganzen Kraft und Tiefe auch heute noch in unseren Herzen nach: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“ Jedes Mal, wenn wir etwas anderes als uns selbst erfahren, jedes Mal, wenn wir uns für den anderen öffnen, ist Pfingsten. Die Reife des österlichen Geschenks des auferstandenen Christus ist wie eine Frucht, die endlich gepflückt werden darf und bereitwillig gekostet werden kann, um das Leben, das sie in sich aufnehmen konnte, an andere weiterzugeben.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster