29. Mai 2022
Christi Himmelfahrt
Jahr C
Die Abwesenheit des Geliebten wird durch die Verheißungen der Liebe in eine noch strahlendere Freude verwandelt: Jeder hat seinen Platz im Herzen Gottes.
Der Autor des Hebräerbriefs gibt die Lesart für dieses Fest mit einer Verneinung vor, die zu einer umfassenderen Bejahung wird: Christus ist nicht in ein von Menschenhand gemachtes Heiligtum eingetreten, das ein Abbild des wirklichen Heiligtums ist, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor Gott zu erscheinen. Die Tatsache, dass der Evangelist Lukas uns den Segen des auferstandenen Christus bei seiner Rückkehr zum Vater vor Augen führt, hilft uns, dieses Fest als Abschluss einer Offenbarungsphase zu erleben, die eine ebenso wichtige und bedeutsame Zeit einleitet. Wie immer am Ende der Eucharistiefeier ist der Schlusssegen nicht nur eine Verabschiedung, sondern auch eine Aussendung in die Mission, um Zeugnis von dem zu geben, was der Herr uns geschenkt hat, damit es ein Geschenk für alle wird. Der Evangelist Lukas berichtet im zweiten Buch seines Werkes, der Apostelgeschichte, weiter von der Himmelfahrt und besiegelt den Abschluss des Wirkens Jesu unter den Seinen damit, dass sie mit großer Freude nach Jerusalem zurückkehren. Das Leben der Kirche beginnt dort, wo ihr Herr seinen Weg vollendet hat, indem er sich als das wahre, nicht von Menschenhand geschaffene Heiligtum offenbart hat, in dem die Barmherzigkeit Gottes vollständig empfangen werden kann. In der Mitte seines Evangeliums zeigt uns Lukas, wie Jesus entschlossen auf Jerusalem zugeht. Dort erfüllt sich sein Geheimnis des Widerstands gegen den Versucher in seiner österlichen Erniedrigung. Dort müssen die Jünger auf die Kraft warten, die mit Macht von oben kommen wird. Von Jerusalem aus ist die Kirche aufgerufen, den Weg ihres Herrn nachzugehen, indem sie immer weiter in Richtung der unzähligen Galiläas unserer Tage geht. Ein Wort brennt noch immer in unseren Herzen: Ihr seid Zeugen dafür.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster