17.April 2022
Ostern – Auferstehung
Jahr C
Der Psalm bezeugt, dass der Stein, der von den Bauleuten verworfen wurde, zum Eckstein geworden ist. Heute wird all jenen zerbrechlichen Realitäten Hoffnung gegeben, an denen der Herr Freude zu schaffen vermag.
Das Wort Gottes fordert uns auf, uns dem Lauf des Apostels Petrus und des Jüngers, den Jesus liebte, anzuschließen, mit dem Herzen zu fühlen, bevor wir mit den Augen sehen, und uns von der Stimme des auferstandenen Herrn selbst bestätigen zu lassen. Die Aussage des Petrus am Pfingstmorgen wird für uns zu einer subtilen Frage: Wisst ihr …? Die Auferstehung des Herrn ist keine vernichtende Rache, sondern eine geflüsterte Bestätigung dafür, dass die Liebe nicht getötet werden kann, solange wir sie nicht selbst in uns selbst töten. Der Apostel Paulus ermahnt uns eindringlich, die Dinge des Himmels zu suchen, nicht als Flucht vor der Welt, sondern als Fähigkeit und Bereitschaft, das ungesäuerte Brot der Aufrichtigkeit und Wahrheit in den Teig der Geschichte zu legen. Das Brot der Auferstehung, das der Pilger für die traurigen Reisenden von Emmaus bricht, wird nicht aufgezwungen, sondern denen angeboten, die lieben und nicht aufhören, ihnen entgegenzugehen, wie die Frauen, und die Zeichen des Lebens zu spüren, wie jener namenlose Jünger, der vielleicht denselben Namen trägt wie wir. Möge Ostern für uns eine Gelegenheit sein, in unser Herz zu schauen, um zu erkennen, was uns Hoffnung für das Leben gibt, und dem treu zu bleiben, auch – oder vielleicht sogar vor allem – wenn es als Eitelkeit eingestuft wird. Die Osterliturgie erinnert uns jedes Jahr daran, indem sie uns die erste Seite der Heiligen Schrift lesen lässt: Als der Schöpfer die Welt und vor allem den Menschen schuf, war er der Erste, der sie als eitel bezeichnete. In Wirklichkeit erinnert uns die Auferstehung des gekreuzigten Herrn daran, dass das Leben nichts anderes ist als ein Aufbäumen der Hoffnung, das die Nacht der Verzweiflung erhellt.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster