16. Januar 2022
Zweiter Sonntag im Jahreskreis
Jahr C
Die Aussage Marias gilt auch für uns: „Was er euch sagt, das tut!“ Sind wir bereit, uns in die liebenden Hände Jesu zu begeben?
Drei Tage nach der Verheißung an Nathanael und damit sieben Tage nach dem Zeugnis in Bethanien (Joh 1,28) wirkt Jesus sein erstes Zeichen bei der Hochzeit in Kana. Ist es bei der Taufe der Vater, der das Geheimnis Jesu als Sohn offenbart, so ist es bei der Hochzeit zu Kana die Mutter, die ihren Sohn auf die Bedürfnisse des Paares aufmerksam macht, das Gefahr läuft, sein Fest zu ruinieren. Haben sich Braut und Bräutigam mit dem Wein verkalkuliert oder haben sich die Gäste zu sehr betrunken? Wir wissen es nicht! Die Situation wird nämlich heikel, und die Mutter Jesu erkennt dies vor allen anderen: „Sie haben keinen Wein mehr“ (Joh 2,3). Das Evangelium beginnt also mit einer Woche, die am siebten Tag mit der ersten und sinnbildlichen Offenbarung der Herrlichkeit Jesu endet. Der Herr erfüllt die Verheißung des Propheten und präsentiert sich als der wahre Bräutigam der Menschheit, die sich nicht mehr als verlassen betrachten oder fühlen kann. Für Paulus wird das Diadem, von dem Jesaja spricht, zur Krone aus vielen verschiedenen und ebenso kostbaren Perlen: die Gnade der verschiedenen Charismen, die im Geheimnis der Kirche und auf dem Weg der Menschheit leuchten, die von demselben und einzigartigen Geist beseelt sind. Für Johannes ist die Fülle und Vorzüglichkeit des in Kana ausgeschenkten Weins der Schlüssel zum Verständnis des gesamten Weges Jesu, der gekommen ist, um der Menschheit die Fülle der nicht endenden Freude zurückzugeben. Die Mutter Jesu erscheint im Johannesevangelium nur hier, um später in absoluter Stille unter dem Kreuz neben dem geliebten Jünger wieder aufzutauchen. Dort wird der Wein in Blut verwandelt, das als Zeichen eines Übermaßes an Liebe und Hingabe gegeben wird, von dem all unsere Sorge um die Freude der anderen ein leuchtender Abglanz ist.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster