6. Januar 2022
Erscheinung des Herrn
Es scheint, dass wir aus der Ferne besser sehen als aus der Nähe, es scheint, dass diejenigen, die weit weg sind, es eher gewohnt sind, sich den Reisen der Innerlichkeit zu stellen. Schließen wir uns der Karawane der Gottessuchenden an.
Der Prophet Jesaja schreibt, dass Jerusalem von einer Kamelherde überlaufen wird. Der Apostel Paulus regt uns an, noch einmal vor dem Kind von Bethlehem innezuhalten, das wie ein Stern in unseren Herzen aufgeht und uns das Geschenk des Heils für alle bewusst macht, da wir berufen sind, dasselbe Erbe zu teilen, denselben Leib zu bilden und durch das Evangelium an derselben Verheißung teilzuhaben. Die Heiligen Drei Könige, ein Begriff, der sich auf persische Priester beziehen kann und den das biblische Griechisch nur in Dtn 2, 2.10 verwendet, sind diejenigen, die im Matthäus-Evangelium als erste in dem neugeborenen Kind den König und Herrn anbeten. Die Heiligen Drei Könige sind die ersten, die sich über Jesus freuen, die sich über den Stern freuen, von dem sie sich leiten lassen, und die auf ihrem Weg Gott genau dort sahen, wo Herodes mit den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten des Volkes eine schreckliche Bedrohung sahen. Die erste große Verkündigung dieses Tages lautet: Der Herr ist der Schöpfer des Alls und der Retter eines jeden Menschen und aller Menschen. Die Verkündigung wirft jedoch eine Frage auf: Wie ist das möglich? Die Heiligen Drei Könige sind uns gegeben, um eine Antwort auf diese Frage zu geben. Es sind Menschen, die von weit her – aus dem Osten – kommen und in ihrem Herzen eine Idee haben, die ihre lange Reise leitet: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um zu huldigen“ (Mt 2,2). Diese Männer haben aus der Ferne wahrgenommen, was aus der Nähe niemand bemerkt hat, und sie kommen, um die Schlafenden zu wecken wie die Engel die Hirten. Können wird das Wort Gottes mit reinem Herzen aufnehmen? Denn: Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster