19. Dezember 2021
4. Adventssonntag
Jahr C
Gesegnet sind wir, wenn wir im Gesicht unseres Nächsten einen Zug des Antlitzes des Herrn erkennen können … und ihm so begegnen.
Mi 5,1–4 / Ps 80 / Hebr 10,5–10 / Lk 1,39–48
Warten… in Frieden
Die Worte Elisabeths sind die schönsten und passendsten, um den Schritt nach Bethlehem zu beschleunigen, das so klein ist, und den Hirten Israels zu begrüßen. Wie der Prophet Jeremia am ersten Sonntag der Adventszeit angekündigt hat, besucht der dem Haus David verheißene Spross der Gerechtigkeit nun sein Volk. Der verheißene und erwartete Messias besucht jeden Mann und jede Frau auf dieser Erde in dem herrlichen Heiligtum, das die Mutter des Herrn ist, die die Erstlingsfrucht jenes Leibes aufbewahrt, den das Wort beansprucht, um sich zum Heil der ganzen Menschheit zu offenbaren. Das Erstaunen von Elisabeth rief denjenigen, der an die Erfüllung der Worte des Herrn glaubte, zum Segen, denn diese Frau erlaubte ihm, ihr ganzes Leben zum lebendigen Tempel seiner Inkarnation in der Geschichte der Menschheit zu machen. Wir hören bereits die mächtige Stimme des Wortes, die den Freund des Bräutigams jubeln lässt und uns, die wir ihn erwarten, bereits als die Seinen anerkennen will: Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren (Lk 11,28). Der Schluss der ersten Lesung öffnet das Herz nicht nur für die inbrünstige Erwartung, in die uns der ganze Advent eingeweiht und in der er uns begleitet hat, sondern er öffnet es bereits für die Freude der Erfüllung: „Und er wird der Friede sein“ (Mi 5,4). Die Freude, die wie eine sich öffnende Blume beim Kuss der Morgensonne aufzubrechen scheint, die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, ist die erste Offenbarung dieses Friedens. Diese beiden Frauen, die von Gottes Gnade heimgesucht werden, besuchen sich nicht nur, um sich gegenseitig willkommen zu heißen, sondern auch, um ein Prinzip zu erkennen, das sie übersteigt und sie gleichzeitig zu noch mehr Schwestern, noch mehr Freundinnen, noch mehr Verwandten macht: ein Zeichen der Hoffnung!
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster