13. September 2020
Vierundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Jahr A
Vergebung ist eine Schule der Freiheit: Sie befreit uns von der Sklaverei des Grolls und des Hasses und erweitert unsere Herzen.
„Wir gehören dem Herrn“, sagt Paulus im Brief an die Römer. Diese radikale Beziehung zum Herrn wird jedoch immer durch unsere Beziehung zu unseren Brüdern vermittelt. „Ein Mensch verharrt gegen einen Menschen im Zorn, beim Herrn aber sucht er Heilung?“ fragt Jesus Sirach. Die Sünden werden denen vergeben, die fähig sind, anderen zu vergeben. Das Gleichnis Jesu handelt von diesem Thema. Gott vergibt Sünden, aber der Mensch macht Gottes Handeln in seinem eigenen Leben unwirksam, wenn er es nicht in Vergebung gegenüber anderen fruchtbar werden lässt. Zweimal hören wir in Jesu Gleichnis die Bitte: „Hab Geduld mit mir!“ (V. 26 und 29). Etwas getreuer kann man übersetzen: „Zeige mir die Weite deines Herzens!“ Die Weite des Herzens Gottes sollte die Räume unseres Lebens erweitern, damit sie freundlich, frei und bereit sind, den anderen aufzunehmen, selbst mit seiner Last von Sünden und Schuld. Wenn dies nicht geschieht, wird unser Herz statt zu einem offenen und sich ausbreitenden Haus zu der engen Zelle eines Gefängnisses, das uns einsperrt mit den Ketten unserer Rache, unseres Grolls und unseres Hasses. Vergebung ist stattdessen eine Schule der Freiheit, weil sie unser Leben entsprechend der Weite des Herzens Gottes groß macht. Nicht bis zu siebenmal musst du vergeben, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.
Kommentar von der Gemeinschaft von Dumenza
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster