16. August 2020
Zwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Jahr A
Matthäus stellt uns Jesus als den, der dem Vater antwortet, vor. Selbst im demütigen Glauben der kanaanäischen Frau erkennt er den Willen des Vaters und antwortet darauf.
„Mein Haus soll das Haus des Gebets für alle Völker genannt werden.“ Diese Aussage muss in den Ohren eines Juden, der im Tempel fortschreitende Trennungen erlebte, beunruhigend geklungen haben. Überraschend ist auch das Wort, das Jesus an die kanaanäische Frau richtete: „Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst.“ Hinter der Formulierung „es dir soll geschehen“ dürfen wir Gottes Handeln erkennen. Der griechische Text ist stärker, weil dort das Verb „wollen“ erklingt: der Vater tut an dir, was du im Glauben willst! Wir beten im Vaterunser: „Dein Wille geschehe“. Jesus stellt die Perspektive auf den Kopf: Möge der Vater deinen Willen tun! Jesus kann dies sagen, weil er im Willen dieser Frau die Manifestation des Willens des Vaters selbst erkennt. Diese Fremde hat in der Demut ihres Glaubens eine außerordentliche Intuition dafür, was Gottes Wille ist, und passt sich ihm so weit an, dass sie ihn zu ihrem eigenen Willen macht. Und Jesus, den Matthäus als denjenigen vorstellt, der antwortet (das Verb „antworten“ schwingt viermal im griechischen Text mit: VV. 23.24.26.28), kann jetzt nur noch auf das Wort dieser Frau antworten, weil er darin die Manifestation des Willens des Vaters erkennt. Dies ist ein starker Appell an unseren Glauben: Wir sollen den Fremden nicht nur willkommen heißen, sondern in ihm die Manifestation des Willens Gottes erkennen, der unser Leben zur Umkehr ruft.
Kommentar von der Gemeinschaft von Dumenza
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster