24. November 2024
Hochfest Christkönig
Jahr B
In Jesus, dem Wort, leuchtet die ganze Fülle der treuen Liebe Gottes zum Menschen. Davon legt Jesus vor allem in der Passion Zeugnis ab.
WESSEN KÖNIGTUM?
Das Evangelium des heutigen Hochfestes führt uns zum Kern der Passion nach Johannes zurück. Wir betreten diese Seite, indem wir den Dialog zwischen Jesus und Pilatus verfolgen. „Bist du der König der Juden?“ (Joh 18,33) – fragt der berühmte römische Prokurator. Und Jesus: „Sagst du das von dir selbst, oder haben andere zu dir über mich gesprochen?“ (Joh 18,34). Wir haben es hier mit einem Rollentausch zu tun, der eine wichtige Tatsache unterstreicht, nämlich dass Jesus der eigentliche Protagonist der Szene ist, dass er derjenige ist, der das Geschehen leitet. Wir können auch sagen: Jesus ist der eigentliche Richter und nicht die politische Autorität, die ihn in Frage stellt. In diesem Dialog entwickelt Jesus dann eine tiefgreifende Theologie des Reiches Gottes und seiner Herrschaft. Wenn er bekräftigt, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist, spricht er jedoch nicht „von einer Geographie, die das Territorium, in dem sein Königtum ausgeübt wird, außerhalb der Welt festlegen würde… Das, was „nicht von dieser Welt ist“, was außerhalb der Welt liegt, ist das Prinzip und der Ursprung des Reiches Jesu, und der Beweis dafür besteht darin, dass er sein Reich nicht mit den für diese Welt typischen Methoden, d.h. mit Soldaten und bewaffnetem Kampf, errichtet“ (Valerio Mannuncci). Pilatus antwortet: „Du bist also König?“ (Joh 18,37). Und Jesus antwortet wiederum mit einer Art Mini-Rede, die sein Programm verdeutlicht: „Du sagst es: Ich bin König. Dazu bin ich geboren und dazu bin ich in die Welt gekommen: um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme“ (Joh 18,37). Es ist sofort klar, dass das Königtum Jesu keine Herrschaft über den Menschen ist, sondern ein Zeugnis für die Wahrheit Gottes. Wie ist in diesem Zusammenhang der Begriff „Wahrheit“ (aletheia) zu verstehen? Wir werden auf den theologischen Prolog zurückverwiesen, in dem Johannes feststellt, dass das Wort Gottes „voll Gnade und Wahrheit“ ist, voll – wir könnten übersetzen – von treuer Liebe (Joh 1,14). In Jesus, dem Wort, leuchtet die Fülle der treuen Liebe Gottes zum Menschen auf. Davon legt Jesus besonders in der Passion Zeugnis ab. Über diejenigen, die auf ihn hören, die sich von seinem Wort leiten lassen und sich auf seine Logik der Hingabe an Gott und an die Brüder und Schwestern einlassen, herrscht er mit der Souveränität der Liebe.
Herr Jesus,
die uns auffordert, in der Welt zu sein
Zeichen für die Transzendenz des Reiches Gottes,
bewahre uns vor jeder Zweideutigkeit und jedem Kompromiss
mit der mörderischen Macht der Finsternis.
Halte uns rein von Lügen,
dem Wort der Wahrheit des Evangeliums treu zu bleiben,
standhaft und ausdauernd in Erwartung deiner Rückkehr,
wenn du, strahlender Morgenstern,
du wirst in den Tiefen unserer Herzen leuchten
und wir in weißen Gewändern
vor dem Thron deiner Herrlichkeit stehend
werden wir die Siegeshymne singen,
der ewige Triumph der Liebe.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster