29. September 2024

Sechsundzwanzigster Sonntag
im Jahreskreis

Jahr B

Zwischen Skandalen, die es zu vermeiden gilt, und Skandalen, die es zu verteidigen gilt, weist Jesus den Weg, wie man Diener aller wird und alles vermeidet, was von der Nachfolge ablenkt.

DAS RISIKO EINES SKANDALS

In der Kirche gibt es die „Kleinen“, die an den Herrn glauben. Wer sind sie? Es sind die schwächeren, weniger erleuchteten Christen, deren Glaube zerbrechlich und anfällig für Skandale ist (vgl. 1 Kor 8,7-13). Ihnen gegenüber darf man nicht sündigen, das heißt, man darf ihr schwaches Gewissen nicht verletzen – weder mit Worten noch mit Taten. Wer gegen sie sündigt, sündigt gegen Christus (vgl. 1 Kor 8,12). Wir dürfen auch nicht vergessen, dass ein Ärgernis zu erregen oder in die Irre zu führen bedeutet, sich von der Treue zum Herrn abzuwenden. Das ist sehr ernst. Im heutigen Abschnitt der Liturgie sagt Jesus nicht, worin der Skandal besteht. Wenn wir uns jedoch den Kontext vor Augen halten, können wir einige Vermutungen anstellen. Wir haben gesehen, dass die Zwölf damit beschäftigt waren, darüber zu diskutieren, wer der Größte unter ihnen sei. Von Jesus werden sie ermahnt und aufgefordert, Diener aller zu werden. Wahre Größe liegt im Dienen, nicht in der Ausübung von Macht. Das Streben nach Macht ist in der christlichen Gemeinschaft eine traurige Realität, die ihre Geschichte leider immer begleitet hat. Hier verursacht es einen Skandal, weil es in eklatantem Widerspruch zum Evangelium steht. Dann gibt es noch eine andere Gefahr, die jeden überwältigen kann, und nicht nur die Verantwortlichen. Es gibt Konflikte, die den Menschen innerlich zerreißen. Hand, Fuß, Auge (hier in einem metaphorischen Sinn zu verstehen) sind jene Teile des Körpers, die es erlauben, zu wissen (Hand), sich frei zu bestimmen (Fuß) und nicht zuletzt sich zu orientieren (Auge). Doch der aufrichtige Christ warnt, dass seine Erfahrung nicht immer mit dem Evangelium übereinstimmt. So kommt es zu inneren Konflikten, Spannungen und Kompromissen. Was ist zu tun? Jesus ist radikal: Man muss amputieren, was die Nachfolge behindert, auch wenn man es für wichtig hält. Auf dem Spiel steht nicht nur das Reich Gottes, die Zugehörigkeit zu Christus, die Gemeinschaft mit der Kirche, sondern auch die eigene christliche Verwirklichung, die Reife des Glaubens, die Humanisierung selbst, ausgehend von Christus. Für Markus gibt es aber nicht nur Skandale zu vermeiden, sondern auch zu verteidigen. Zum Beispiel der Skandal, der in der Person Jesu enthalten ist (vgl. Mk 6,3) und der Skandal des Kreuzes (vgl. Mk 14,27). Als evangelische Alternative wird der Jünger das Licht und das Salz der Welt sein (vgl. Mk 9,50).

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster

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