4. August 2024

Achtzehnter Sonntag
im Jahreskreis

Jahr B

Im heutigen Evangeliums erscheint Jesus als Antwort Gottes auf den Hunger einer Menschheit, die nach dem Brot des Lebens sucht.

SUCHE DEN HERRN

Das unerforschte Leben ist nicht lebenswert.

Sokrates (470-399 v. Chr.)

Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verhüllen,
des Königs Ehre ist es, eine Sache zu erforschen.

Spr 25,2

Kapitel 6 des Johannesevangeliums, aus dem wir heute die am letzten Sonntag begonnene Lesung fortsetzen, macht uns darauf aufmerksam, wie das Verlangen und die Frage die Suche des Jüngers nach Jesus Christus anregen. Und nicht nur das, es wird uns auch gesagt, wie Jesus gesucht wurde und wie er auch von uns gesucht werden muss und kann. Die Suche – das sollten wir nie vergessen – macht die Schönheit und Echtheit des christlichen Weges aus. Der französische Theologe Marie-Émile Boismard bemerkte dazu: „Jesus nachzufolgen, um dort zu verweilen, wo er verweilt, Jesus zu suchen, um ihn zu finden, ist das, was das Wesen der Nachfolge ausmacht“.
Im Vierten Evangelium sind die Suchenden verschieden. Da ist zunächst der Vater, der die wahren Anbeter sucht (Joh 4,23) und die Herrlichkeit des Sohnes (Joh 8,50b); da ist Jesus, der den Willen des Vaters sucht (Joh 5,30); die Jünger, die Jesus suchen (Joh 1,38; 13,33); die Menge, die Brot sucht, um sich zu ernähren (Joh 6,26); die Juden, die Jesus suchen, um ihn zu töten (Joh 5,18; 7,1). Was kommt dabei heraus? Dass es ein Suchen und Suchen gibt. Man sucht Jesus aus verschiedenen Gründen; es gibt diejenigen, die ihn suchen, um bei ihm zu sein, und diejenigen, die ihn suchen, um ihn zu töten. Es gibt eine Suche, die findet, und eine, die nicht finden kann, weil sie in ihren Motiven fehlerhaft ist. Aber das Johannesevangelium erzählt von einem Primat, von einem Gott, der sich im Sohn auf die Suche nach dem Menschen macht. In Johannes klingt die Frage an, die Gott seit jeher an jeden von uns gerichtet hat: „Adam, wo bist du?“ (Gen 3,9). Diese Frage eröffnet einen Weg, der jeden einzelnen von uns erreicht.
Die Menge sucht nach einem mächtigen Messias (politische Sicherheit), nach einer Wiederholung des Brotwunders (wirtschaftliche Sicherheit), nach Werken, die den Willen Gottes erfüllen (religiöse Sicherheit). Aber die Menge findet Jesus skandalös (wegen seiner Herkunft), enttäuschend (wegen seiner Weigerung, sich als König anerkennen zu lassen). Und doch erscheint Jesus in der Erzählung des Evangeliums immer deutlicher als die einzige und endgültige Antwort Gottes auf die Menschheit, auf den Hunger einer Menschheit, die nach dem Brot des Lebens sucht.

Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, 
Abtei Kornelimünster

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