17. März 2024
Fünfter Sonntag
in der Fastenzeit
Jahr B
Die Zeit Jesu hängt nicht vom menschlichen Willen ab, sondern ist die Zeit Gottes, die er annimmt und sich zu eigen macht, indem er sein ganzes Leben danach ausrichtet.
DIE STUNDE JESU
Das Symbol dieses Sonntags ist die Stunde Jesu. In Kana hat der Meister von einer „Stunde“ ge-sprochen, die noch nicht gekommen ist (vgl. Joh 2,4). Was sich in ihr erfüllen wird, enthält die tie-fe Bedeutung seiner Identität und seiner Berufung. Ein Aspekt ist hervorzuheben: Die „Stunde“ (von der wir wissen, dass sie mit seinem Osterfest zusammenfällt) hängt nicht vom menschlichen Willen ab, sondern ist die Zeit Gottes, eine theologische Zeit, die Jesus annimmt und sich zu eigen macht, indem er sein ganzes Leben darauf ausrichtet. Der Begriff taucht im vierten Evangelium nicht weniger als 26 Mal auf und hat eine qualitative und heilsgeschichtliche Bedeutung. Die ge-samte johanneische Erzählung zielt auf dieses Telos und folglich auf die Offenbarung der Herr-lichkeit Gottes, die sich in ihr manifestieren soll. „Jetzt“ und „Herrlichkeit“ sind zwei Begriffe, die in einigen strategischen Passagen der Evangelienerzählung miteinander verbunden sind. Am An-fang (vgl. Joh 2,4) und am Ende (vgl. Joh 12,23) des öffentlichen Wirkens Jesu (Buch der Zei-chen); am Anfang (vgl. Joh 13,1) und am Ende (vgl. Joh 17,1) der Abschiedsreden (Buch der Herr-lichkeit). Der Punkt, an dem sie zusammenkommen, ist der Tod Jesu (vgl. Joh 19,30). Doch vor der Erfüllung der „Stunde“ sieht Johannes die Verstockung Israels (vgl. Joh 12,37-50). In dem Mann am Kreuz hat Israel den von Gott gesandten Messias nicht erkannt, doch am Kreuz ist Jesus der neue Tempel, das neue Lamm, der wahre Ort, um den Vater im Geist und in der Wahrheit anzube-ten. Doch der göttliche Plan ist für Israel nicht gescheitert, das zusammen mit der Kirche auf die endgültige „Stunde“ der Geschichte wartet. Lukas beschreibt sie in Apg 3,19 als das Kommen ei-nes neuen Trostes von Gott durch die endgültige Sendung Jesu: „So tut nun Buße und ändert euer Leben, damit eure Sünden getilgt werden, damit die Zeit des Trostes vom Herrn komme und er den sende, den er euch als Christus, das heißt Jesus, bestimmt hat“. Einen Jesus, der voll und ganz in der „Stunde“ der Passion steckt und gleichzeitig ein außerordentlicher Herr ist, bietet uns Pietro Perugino auf einem Bild, das er zwischen 1500 und 1505 gemalt hat und das heute in der National Gallery (London) hängt.
Kommentar von d. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Praglia (Italien)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi,
Abtei Kornelimünster