15. August 2023
Hochfest Mariä
Aufnahme in den Himmel
Das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel gibt uns einen Vorgeschmack auf den Himmel, aber nicht ohne uns die Schönheit unseres Menschseins zu zeigen.
Das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel ist das Fest unserer Hoffnung. Paulus schreibt an die Korinther: „Wenn dieser Leib, unsere irdische Wohnung, abgetan ist, werden wir eine Wohnung im Himmel empfangen, eine ewige, nicht von Menschenhand erbaute Wohnung“ (2 Kor 5,1). Nicht der Tod ist also die letzte Mündung unserer Tage, sondern das Leben, jene Fülle des Lebens, die wir im Glauben an Christus Auferstehung nennen. In diesem Licht rief Thérèse von Lisieux auf ihrem Sterbebett aus: „Ich sterbe nicht, sondern gehe ins Leben ein“. Die Kirche, die heute auf Maria schaut, hebt auch einen anderen, sehr wichtigen Aspekt hervor. In der Kollekte der Messe lässt sie uns beten: „O allmächtiger und ewiger Gott, der die unbefleckte Jungfrau Maria mit Leib und Seele zur Herrlichkeit des Himmels erhoben hat“. Man beachte, dass nicht nur die Seele verherrlicht wird, sondern auch der Leib, d. h. die Gesamtheit des Wesens der Jungfrau Maria, die zu den ewigen Herrlichkeiten des Himmels erhoben wird. Und das, was in ihr bereits volle Wirklichkeit ist, wird uns, die wir noch Pilger sind, am Ende der Zeiten zuteil. Wenn unser Körper von Gott verherrlicht wird, ist es offensichtlich, dass wir ihn nicht als eine schwerfällige Hülle, als einen bloß irdischen Habitus betrachten dürfen, sondern als den Ort, an dem Gott sein Werk tut. Denn zuerst hat er sie geschaffen, dann hat er sie erlöst, und am Ende wird er sie verherrlichen. Wenn dies wahr ist, dann sollten wir den Leib lieben, und zwar als Sakrament, das uns auf den Geber zurückverweist. Lieben wir ihn in seiner Zerbrechlichkeit und Schönheit, in seiner Kraft und Schwäche. Vielleicht sollten wir auch mit ihm versöhnt sein. Zusammenfassend können wir mit dem Theologen Karl Rahner sagen, dass „das arme Fleisch, das die einen hassen und die anderen anbeten, würdig gemacht wurde, auf ewig bei Gott zu sein und somit auf ewig gerettet und bestätigt zu werden. Die Existenz des Fleisches hier und jetzt ist weder eine Mauer, die uns auf ewig von Gott trennt, noch ist es das, was abgeschafft werden müsste, um zu Gott zu gelangen. Vielmehr wurde das Fleisch von Gott geschaffen, vom Sohn erlöst, vom Geist geheiligt und ist nun für uns ewig gerettet“. Das Fest der Himmelfahrt ist also, wie gesagt, voller Freude und Hoffnung; ein Fest, das uns nicht nur in den Himmel projiziert, sondern auch hier auf der Erde in einer positiven Wiedergewinnung unseres Menschseins. Maria, obwohl in Gott aufgenommen, ist immer noch unter uns, in der Kirche, als wachsame und fürsorgliche Mutter. In ihr ist die göttliche Zärtlichkeit bei uns bis zum letzten Tag, bis zum letzten Schritt des letzten Menschen, der auf Erden leben wird. Daran erinnert auch Kardinal Newman in einem seiner Gedichte, in dem er diesen Gruß, der kein Abschied, sondern ein Versprechen ist, auf die Lippen der Jungfrau Maria legt:
Du hast mein Gesicht nicht verloren,
Ich bin immer in deiner Nähe.
Das Lächeln, das ich auf der Erde liebte, habe ich immer noch,
die Süße Ihrer Begegnungen,
deine klare Fröhlichkeit.
Damals wie heute
Ich höre die letzten Worte
von dem, was kaum geflüstert wird,
Gebet mit leiser Stimme,
bis der flüchtige Atem…
Kommentar von b. Sandro Carotta, osb Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster