13. August 2023
19. Sonntag im Jahreskreis
Jahr A
Der Glaube muss sich in jeder Stunde unserer Geschichte auf Christus stützen, den Urheber und Vollender der Geschichte.
JESUS ERZIEHT ZUM GLAUBEN
Die evangelische Christophanie auf dem bedrohlichen und aufgewühlten Meer ist eine außergewöhnliche Ikone des Glaubens als Licht in der Nacht und Sieg über die Angst vor dem Tod. Die Stunde, in der wir leben, ist – und ich denke, das muss man nicht weiter ausführen – von vielen Ängsten geprägt. Der Glaube scheint die Männer und Frauen unserer Zeit jedoch nicht mehr zu interessieren. Gott ist zunehmend ein „Problem“, das sie gleichgültig lässt. Bei denen, die sich als Christen bekennen, erscheint der Glaube in der Tat schwach und unfähig, das Leben zu gestalten. Wenn es wahr ist, dass man Christ wird und nicht als Christ geboren wird, wie Tertullian zu seiner Zeit feststellte, so ist es ebenso wahr, dass man bis vor nicht allzu langer Zeit als Christ geboren wurde und als solcher aufwuchs, weil das familiäre und kirchliche Gefüge den Menschen half, sich als solcher zu definieren. Aber heute hat sich das Bild tiefgreifend verändert. Die verschiedenen kulturellen Strömungen, die immer vielfältigeren Anthropologien, die Abstumpfung eines gewissen Wohlstands drohen einen zerbrechlichen und kurzlebigen Glauben zu erdrücken. Nun, genau da, während das Meer über uns hinwegzuschwappen scheint, kommt Christus auf denselben bedrohlichen Wellen zu uns. Und er kommt zu uns als der Pädagoge unseres Glaubens. Auf ihn müssen wir also unseren Blick richten, wie auch der Hebräerbrief mahnt (vgl. Hebr 12,2).
Aber hier ist sofort eine Klärung erforderlich: Was ist Glaube? Im Alten Testament gibt es ein Verb, das den Akt des Glaubens definiert: ‚âman („sich stützen“). Glauben bedeutet also, ein Fundament zu finden, auf das man sich stützen kann. Dieses Fundament darf nicht ideologisch sein, sondern muss persönlich sein, das heißt, man stützt sich nicht auf etwas, sondern auf jemanden. Für das Neue Testament ist dieser Jemand Christus, der Urheber und Vollender des Glaubens. Im Blick auf ihn lernt jeder von uns vor allem, was es heißt, zu glauben; und nicht nur das, er lernt auch, was es heißt, den eigenen Glauben zu leben. Aber der Glaube, das dürfen wir nie vergessen, ist auch eine menschliche Notwendigkeit. In der Tat ist ein Leben ohne Vertrauen unmöglich. Wenn der Glaube heute in der Krise ist, dann auch deshalb, weil der menschliche Akt des Glaubens ebenfalls in der Krise ist. Ein Beispiel: Warum wird heutzutage das Zusammenleben der Ehe vorgezogen? Weil man nicht in der Lage ist, den menschlichen Akt des Glaubens in das konkrete Leben zu übertragen. Wenn wir einen starken Akt in unser Leben setzen, lässt uns die Skepsis, die in uns wohnt, sagen: „Wie lange wird es halten?“. Wir glauben nicht mehr an die Liebe und widersprechen damit der lapidaren Aussage des Johannes: „Wir haben an die Liebe geglaubt“ (1 Joh 4,16). Das ist das eigentliche Drama, das uns überwältigt, mehr als die Pandemien, die wir zu bekämpfen versuchen. Aus diesem Grund hat Jesus seine Gesprächspartner im Glauben unterrichtet. Er wusste sehr wohl, dass es ohne Glauben kein menschliches Leben und damit keine Beziehungsqualität geben kann. Aber der Glaube setzt die Liebe als freies Vertrauen voraus. Er ermöglicht das Unmögliche, oder, um das Bild des Evangeliums zu verwenden, das „Gehen auf dem Wasser“, gegenüber den Kräften, die unsere persönliche, familiäre oder gemeinschaftliche Stabilität bedrohen.
Kommentar von b. Sandro Carotta, osb Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster