9. April 2023

Ostern

Christus ist nicht nur mit seinem verklärten Fleisch vor Gott gegenwärtig, sondern auch mit unserem von ihm angenommenen Menschsein.

Der Introitus der Eucharistie in der Ostermesse – Resurrexi – ist ein sehr originelles und eindrucksvolles Lied. Dieser musikalische Text, der aus einigen Versen des Psalms 138 besteht, hat keinen triumphalen Ton, wie man vielleicht erwarten würde, sondern stellt sich als ein geflüsterter, diskreter und intimer Dialog zwischen dem auferstandenen Jesus und dem Vater dar: Resurrexi, et adhuc tecum sum, alleluia („Ich bin auferstanden, und ich bin immer bei euch, halleluja“). Es scheint fast so, als ob der Sohn, indem er den göttlichen Atem einatmet, sein ganzes Erstaunen und seine Freude darüber zum Ausdruck bringt, wieder beim Vater zu sein, in der Gemeinschaft seiner Liebe. Dieses Aufwachen aus dem Tod ist das Werk Gottes, seiner allmächtigen Hand: Posuisti super me manum tuam, alleluja („Du hast deine Hand auf mich gelegt, halleluja“). Dieser Hand hat sich Jesus im Tod ausgeliefert, durch diese Hand wurde er wieder zum Leben erweckt. Die gregorianische Melodie hat an dieser Stelle einen langen Ton, der die Vorstellung einer Umarmung suggeriert, die weder Verrat noch Verlassenheit kennt. Es bleibt nur noch, die Größe des göttlichen Werkes zu verkünden: Mirabilis facta est scientia tua, alleluja, alleluja („Wunderbar ist mir deine Weisheit, halleluja, halleluja“). Musikalisch dominiert in diesem Stück die vollkommene Ruhe, die absolute Gelassenheit, die Abwesenheit jeglicher Bewegung, in seinem langsamen Tempo, das einem Largo entspricht. Hier berührt der gregorianische Gesang den Gipfel der Interpretation: kein melodischer Überschwang, wie wir gesagt haben, sondern der Versuch, das Erwachen Jesu zum Leben in Musik zu übersetzen. Die Strophe: Domine – und es ist immer der Sohn, der den Vater anspricht – probasti me, et cognovisti me („Herr, du hast mich geprüft und erkannt“) erinnert uns daran, wie der Vater seinen geliebten Sohn in der Passion geprüft und seine kindliche Frömmigkeit erkannt hat. Es gibt auch ein Detail, das wir nicht vergessen dürfen: Die Worte Jesu werden durch die Melodie im vierten Modus ausgedrückt; eine spärliche Melodie, reduziert in der Ausdehnung (sie kreist um ein tiefes E) mit seltenen Sprüngen zum hohen A. Die Melodie der Quarte ist ein Genre, das als kontemplativ bezeichnet wird und Stücke mit einem Schleier der Traurigkeit assoziiert. Die Osterfreude ist eine leidende, von Schweiß und Tränen gezeichnete Freude, aber sie ist eine Freude, die, wie T. De Chardin „eine überlegene und tiefe, eine mächtige Freude: die explosive Freude eines Lebens, das endlich einen unendlichen Raum gefunden hat, um sich auszudehnen. Freude des Unendlichen“. Mit diesem außergewöhnlichen Introitus wird die Kirche von Christus zu einer Teilnehmerin an diesem geheimnisvollen Dialog zwischen ihm und dem Vater. Christus ist in der Tat Gott nicht nur mit seinem verklärten Fleisch gegenwärtig, sondern auch mit unserem von ihm angenommenen Menschsein. In ihm sind wir alle von nun an in der reinen Quelle der Liebe verankert.

Kommentar von b. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster

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